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Chefmangel verhindern: HWK &IHK werben für Betriebsübernahmen

10. September 2014 (HL-Red-RB) Nachfolger gesucht: In Schleswig-Holstein stehen in den kommenden fünf Jahren mehrere Tausend vor allem familiengeführte Unternehmen zur Übergabe an. Die Nachfrage ist allerdings nicht annähernd so groß. „Wenn wir die Betriebe, Arbeitsplätze, Innovationsfähigkeit und Wertschöpfung erhalten wollen, müssen wir ein unternehmerfreundliches Klima schaffen. Es muss sich wieder lohnen, Unternehmer zu sein“, sagte Günther Stapelfeldt, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein. Der große Markt an übergabewürdigen Betrieben biete engagierten Arbeitnehmern große Chancen, ergänzte der Präsident in der Veranstaltung „Unternehmensnachfolge in Schleswig-Holstein. Frühzeitig handeln – Zukunft sichern“ vor mehr als 250 Teilnehmern im Landeshaus in Kiel.

Das große Interesse an der gemeinsamen Veranstaltung von Handwerkskammer Schleswig-Holstein und IHK Schleswig-Holstein sei ein Beleg dafür, dass die Kammern in den vergangenen Monaten ihre Mitglieder erfolgreich für das Thema sensibilisiert hätten, betonte Klaus-Hinrich Vater, Vizepräsident der IHK Schleswig-Holstein. „Der Fachkräftemangel wird zu einer immer größeren Herausforderung für unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft. Es darf daher auf keinen Fall zu einem Chefmangel kommen.“

Die Landesregierung unterstützt das Engagement der Wirtschaft. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer erklärte, dass „Existenzgründungen auch im Zuge der Unternehmensnachfolge für die Zukunftsfähigkeit des Landes Schleswig-Holstein von großer Bedeutung sind. Es ist sehr wichtig, dass sich die Unternehmer frühzeitig mit dem Thema ‚Nachfolge‘ beschäftigen und nach einer Nachfolgeregelung suchen. Also nicht verdrängen oder ignorieren, sondern aktiv werden. Wir empfehlen, die Angebote der Institutionen und Kammern im Land zur persönlichen Beratung zu nutzen, um die Übergabe der Unternehmen von Anfang an auf die Erfolgsspur zu bringen. In der Fachkräfteinitiative ‚Zukunft im Norden‘ beraten wir mit den Akteuren, vor allem mit den Kammern, über geeignete Maßnahmen, um Unternehmensnachfolgen zu unterstützen.“ Minister Meyer nutzte die Gelegenheit, den Teilnehmern Mut zu machen für eine Entscheidung zugunsten von „Unternehmen übernehmen im echten Norden“.

Trotz der hohen Zahl an übergabewürdigen Unternehmen, sei für jede Nachfolgeregelung eine individuelle Lösung erforderlich, betonte der Kieler Steuer- und Unternehmensberater Olaf Rosenbaum. Der Erfolg hänge im Wesentlichen von der Vorbereitung durch den Übergebenden ab. „Er muss sich darüber im Klaren sein, was ihm wichtig ist: Will er nur Kapital aus dem Verkauf erlösen, oder haben die Zukunft der Firma und die Sicherheit der Arbeitsplätze für ihn Priorität?“, so Rosenbaum.

Ein Beispiel für eine gelungene Übernahme innerhalb der Familie ist die Schlachter Jepsen GmbH & Co. KG. Sohn Malte hat 2012 den Flensburger Betrieb mit rund 100 Mitarbeitern von seinem Vater Claus Jepsen übernommen. „Den Plan hatten wir immer, aber die Realität war sehr mühsam. Es hat viel länger gedauert, als wir ursprünglich gedacht hatten“, sagte Malte Jepsen. „Aufgrund verschiedener beteiligter Banken, steuerlicher Aspekte und auch familiärer Hintergründe galt es viele Klippen zu umschiffen.“ In dieser Phase habe die Familie die Beratungsangebote der Kammern intensiv genutzt, und auch die Banken hätten Dank eines überzeugenden Konzeptes die Übernahme unterstützt.

Auch eine Nachfolgeregelung außerhalb der Familie ist weniger kompliziert, als es zunächst erscheinen mag. Das berichtete Thomas Bergmann. Er hatte die Dachdeckerei Herbert Haye GmbH & Co. KG mit Sitz in Oldenburg in Holstein von seinem Schwiegervater übernommen und will sie in wenigen Wochen an einen externen Nachfolger übergeben. „Ich kenne beide Seiten einer Übernahme. Da ich den Betrieb schon kannte, war das Vertrauen von Mitarbeitern und alter Geschäftsführung groß. Mein Vorgänger hat mich bei allen Vorhaben unterstützt und mir somit den Start erleichtert.“

Nun will er sich aus dem Geschäft zurückziehen, steht seinem Nachfolger für eine Übergangszeit als Berater zur Verfügung: „Der Kaufvertragsentwurf des Notars ist unterschriftsreif und liegt jetzt bei den Banken. Es soll ein Verkauf gegen eine feste Summe ohne Teilzahlungen sein. Die größten Probleme bereiten noch die Absicherung der Kaufpreisfinanzierung und die alleinige Übernahme der persönlichen Bürgschaften. Aber auch dafür werde es eine Lösung geben“, zeigte sich Bergmann zuversichtlich.

Angesichts dieser positiven Beispiele appellierte IHK-Vizepräsident Vater an die Unternehmer, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinander zu setzen. „Informieren Sie sich bei den Kammern, Banken, Steuer- oder Unternehmensberatern.“ Deren Netzwerk funktioniere bereits hervorragend. Mit einer neuen Datenbank wollen die Kammern schon bald Angebot und Nachfrage noch besser zusammenbringen, kündigte Vater an.

IHK Schleswig-Holstein
Die IHK Schleswig-Holstein ist die Arbeitsgemeinschaft der IHKs Flensburg, Kiel und Lübeck. Die IHK Schleswig-Holstein ist seit 1. Januar 2006 der zentrale Ansprechpartner für alle Fragestellungen zum Thema Wirtschaft, die mehr als nur regionale Bedeutung haben. Zu diesen Themen bündelt sie die Meinung der drei IHKs in Schleswig-Holstein, so dass diese gegenüber Politik und Verwaltung mit einer Stimme für die Wirtschaft im Lande sprechen. Die IHK Schleswig-Holstein nimmt die Interessen von 175.000 Unternehmen mit rund 750.000 Arbeitnehmern wahr.

Quelle:
IHK SH

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