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Handwerkskammer: Meisterbrief muss bleiben

11. Dezember 2013 (HL-Red-RB)Bei der Tagung der Vollversammlung der Handwerkskammer Lübeck am Dienstag in Lübeck konnte Vizepräsident Günther Stapelfeldt (Foto RB) auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr für das Handwerk zurückblicken.
Für weite Bereiche des Handwerks im Kammerbezirk Lübeck war das Jahr 2013 ein wirtschaftlich gutes Jahr. In der aktuellen Konjunkturumfrage beurteilten 91 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut oder zumindest befriedigend. "Die Handwerkskonjunktur ist weiter stabil und das auf einem erfreulich hohen Niveau", sagte Günther Stapelfeldt. Hauptaufgabe bleibe weiterhin die Fachkräftesicherung. Vizepräsident Stapelfeldt betonte, dass die hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und die vielfältigen Anstrengungen der Kammer wichtig sind, um die Zahl der neuen Lehrverträge im Kammerbezirk trotz sinkender Schulabgängerzahlen auch im nächsten Jahr weitgehend stabil zu halten.

Unverständnis herrscht im Handwerk hinsichtlich der aktuellen Bestrebungen der Europäischen Kommission, bestehende Berufsreglementierungen auf den Prüfstand zu stellen. Potenziell betroffen von dieser Entwicklung sind unter anderem alle zulassungspflichtigen Handwerksberufe in Deutschland. Nach dem Willen der Kommission sollen bereits im Mai 2014 seitens der Mitgliedstaaten die Bewertungen für eine erste große Gruppe unterschiedlicher Berufe vorliegen. Stapelfeldt bezeichnete die Planungen der Kommission als "geradezu abenteuerlich", wonach in einem zweiten Verfahrensschritt die einzelnen Mitgliedstaaten gegenseitig überprüfen sollen, ob die gewählten Reglementierungen sinnvoll sind. "Wer die Qualifikationsanforderungen für die Selbständigkeit und damit den Meisterbrief in Frage stellt, gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit und unterhöhlt die Attraktivität der dualen Berufsausbildung", sagte Stapelfeldt. Die Europäische Kommission wolle offenbar nicht wahrnehmen, dass zwischen der Qualifikation von Betriebsinhabern und der enormen Ausbildungsleistung des Handwerks ein direkter Zusammenhang bestehe, so Stapelfeldt weiter.

Zu den Plänen der Europäischen Kommission verabschiedete die Vollversammlung ein Positionspapier. Darin warnt sie ausdrücklich davor, den Meisterbrief zur Disposition zu stellen. "Die sehr viel niedrigere Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist nicht trotz, sondern gerade wegen des dualen Ausbildungssystems und der Meisterprüfung zustande gekommen", heißt es in dem Papier. Und weiter: "Für das Handwerk besteht in keiner Weise ein Bedarf für die Überprüfung der 41 zulassungspflichtigen Berufe. Die noch bestehenden Reglementierungen dienen vor allem der Absicherung und dem Erhalt eines hohen Verbraucherschutzniveaus und der Erbringung hochwertiger Leistungen. Zudem ist die Meisterqualifikation als Zugangsvoraussetzung zu den nach der Handwerksordnung reglementierten Berufen das entscheidende Bindeglied für die Erbringung einer qualitativ hochwertigen betrieblichen dualen Ausbildung."

Positiv wertete Stapelfeldt die Rückendeckung durch das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium und den Bundesrat. Letzterer hält die Annahme der Kommission für nicht haltbar, die Zugangsbeschränkungen würden sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Der Bundesrat bezeichnet den Meisterbrief zudem als Garant für eine erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit und die Befähigung zur Ausbildung von Nachwuchskräften.

Lobende Worte fand der Vizepräsident für die schleswig-holsteinische Landesregierung. "Die Belange des Handwerks werden von der Landesregierung ernst genommen", sagte Stapelfeldt. Er bedankte sich dafür, dass das Wirtschaftsministerium des Landes im kommenden Jahr die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung in unveränderter Höhe mit rund drei Millionen Euro bezuschusst und in der darauffolgenden Förderperiode von 2015 bis 2021 pro Jahr 2,7 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat. Diese Förderung komme jedem Ausbildungsbetrieb zugute, weil sich dadurch die Kosten für die Betriebe deutlich reduzierten.

Kritik übte Stapelfeldt an einigen Gesetzesvorhaben auf Landesebene, insbesondere an den Planungen zu einer Tourismusabgabe. "Es besteht immer die Gefahr, dass unsere Betriebe mit zusätzlicher Bürokratie und zusätzlichen Kosten belastet werden", so Stapelfeldt. Hinsichtlich der Tourismusabgabe bezweifelte er den so genannten "mittelbaren Vorteil" für das Handwerk, der unterstellt, dass nahezu alle Handwerksbetriebe vom Tourismus profitieren. "Städte und Gemeinden investieren in den Tourismus und das Handwerk soll es bezahlen", fasste Stapelfeldt seine Kritik zusammen.

An die Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer Lübeck gerichtet erinnerte Hauptgeschäftsführer Andreas Katschke noch einmal an die Umstellung auf SEPA, dem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum ab Februar 2014. Betriebe, die noch keine Vorkehrungen zur Umstellung getroffen haben, sollten dies in den verbleibenden acht Wochen so schnell wie möglich angehen, um Probleme im Zahlungsverkehr oder im schlimmsten Fall Liquiditätsengpässe zu vermeiden.

Quelle:
HWK Lübeck

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