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Über Arbeitgeber-Service Chance auch für "ältere" Azubis

23. Oktober 2013 (HL-Red-RB) Eine Möglichkeit dem immer größer werdenden Bedarf an Pflegekräften gerecht zu werden, ist die Einstellung von Alleinerziehenden und das Angebot von familienfreundlichen Arbeitszeiten. Im Seniorenhaus Hinrichs Moislinger Aue, Niendorfer Straße 19a, wird auch älteren Bewerbern eine Chance gegeben.
Examinierte Pflegekräfte sind schon jetzt sehr gefragt. Eine höhere Lebenserwartung und geringe Geburtenraten haben den Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft in den letzten Jahren deutlich steigen lassen. Damit verbunden ist auch eine Zunahme von älteren pflegebedürftigen Menschen. Bereits jetzt sind in Lübeck und Ostholstein 26.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen angestellt. In Lübeck sind das nahezu ein Sechstel aller Beschäftigten. Die Nachfrage nach fachkundigem Pflegepersonal wird in den kommenden Jahren weiter hoch sein.

Der Beruf der Altenpflegerin beziehungsweise des Altenpflegers hat Zukunft. Altenpflegerinnen und Altenpfleger übernehmen Schlüsselrollen in der Altenpflege. Sie stehen ein für eine qualitätsvolle Betreuung Pflegebedürftiger, sie unterstützen diese bei der Alltagsbewältigung, sie motivieren, nehmen pflegerisch-medizinische Aufgaben wahr und stehen für ein gutes Miteinander mit Angehörigen. Sie leisten Dienst am Menschen und übernehmen damit eine verantwortungsbewusste und wichtige Aufgabe. Dem ungeachtet droht ein Mangel an Pflegefachkräften in der Altenpflege.

Demographisch bedingt werden immer weniger junge Menschen dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Die Konkurrenz für Senioreneinrichtungen bei der Gewinnung von Nachwuchskräften ist groß. „Um Fachpersonal zu sichern, bedarf es guter Ideen. Eine Möglichkeit ist die Einstellung von Alleinerziehenden und das Angebot von familienfreundlichen Arbeitszeiten" erklärt Joachim Tag, Geschäftsführer des Jobcenters Lübeck.

So ist es auch im Fall von Anja Sommer. Sie ist 25 Jahre alt und alleinerziehende Mutter einer dreijährigen Tochter. Sie hat Anfang des Monats im Seniorenhaus Hinrichs Moislinger Aue die Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. Dies ist aber nur möglich, weil die Arbeitszeiten im Seniorenhaus Hinrichs auf ihre persönliche Situation als alleinerziehende Mutter abgestimmt worden.

„Ich bin froh, dass das Jobcenter uns bei der Ausbildung von Frau Sommer unterstützt und die gesamten Schulkosten übernimmt. Wir haben so die Möglichkeit auch alternative Arbeitszeiten auszutesten und gleichzeitig einer motivierten und freundlichen Bewerberin einen Ausbildungsplatz zu stellen", so Anja Hinrichs, Heimleiterin des Seniorenhauses Hinrichs Moislinger Aue mit 100 Mitarbeitern. „Kritisch ist der Schichtbeginn um 6 Uhr, wo alleinerziehende Mütter bzw. Väter die Betreuung Ihrer Kinder oft nicht sicherstellen können. In diesen Fällen wird versucht, den Arbeitsplan individuell auf die Bedürfnisse der Angestellten abzustimmen. Natürlich immer unter Berücksichtigung der persönlichen Bedürfnisse und Gewohnheiten unserer Bewohner. Als Arbeitgeberin muss man innovativ und flexibel sein und alle Ressourcen bei der Personalgewinnung nutzen."

Die Seniorenhäuser Hinrichs bestehen aus insgesamt drei Pflegeeinrichtungen, dem Haus Herrenwyk, dem Haus Kasino und dem Haus Moislinger Aue. Insgesamt werden 200 Mitarbeiter und 15 Auszubildende beschäftigt.

Seit April dieses Jahres gibt es aufgrund der Änderung des Altenpflegegesetzes für die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter die Möglichkeit bei der Ausbildung zur Altenpflegerin beziehungsweise zum Altenpfleger ohne Verkürzung der Ausbildungszeit Unternehmen finanziell zu unterstützen. Neben der Ausbildung von Anja Sommer finanziert das Jobcenter sechs weitere Ausbildungen im Bereich der Altenpflege. Zudem wurden auch die bestehenden Möglichkeiten zur Ausbildungsverkürzung verstärkt. Das Gesetz sieht eine Verkürzungsmöglichkeit von Altenpflegeumschulungen für lebens- und berufserfahrene Menschen vor, die bereits zwei Jahre Aufgaben im Bereich der Pflege und Betreuung in Pflegeeinrichtungen wahrgenommen haben. Joachim Tag appelliert an die Unternehmen, ihren Blick nicht vorrangig auf Schulabgänger sondern auch auf Pflegehelferinnen und Pflegehelfer mit entsprechender Berufserfahrung zu richten. „Hier gibt es Potential, um ihren eigenen Fachkräftebedarf zu sichern. Auch hier können wir Unternehmen bei der Übernahme der Schulungs- und Fahrkosten für die Auszubildenden unterstützen."

Götz Kerschies hat sich mit 49 Jahren entschlossen, noch einmal zur „Schule" zu gehen. Ein echter Spätstarter. Er befindet sich bereits im dritten Ausbildungsjahr zum Altenpfleger und wird im Oktober 2014 die Abschlussprüfung ablegen. „Ich habe bereits mit 20 Jahren den Wunsch gehabt einen Beruf in der Pflege zu ergreifen. Doch damals waren Buchbinder gefragt. Jetzt mit 51 Jahren schließt sich ein Kreis in meinem Leben. Ich bin dankbar dafür, dass trotz meines erfahrenen Alters das Jobcenter mich bei der Ausbildung zum Altenpfleger finanziell unterstützte und das Seniorenhaus Hinrichs mir einen Ausbildungsplatz gegeben hat."

Der gemeinsame Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter berät interessierte Unternehmen gern zu diesem Thema. Die kostenfreie Servicetelefonnummer lautet 08004555520.




Foto © Reinhard Bartsch, Lübeck


(Von li.) Auszubildende Janine Steinweg, Heimleiterin Anja Hinrichs, Heike Propping vom Jobcenter, Hausbewohnerin Käte Hansen, Auszubildende Anja Sommer, Joachim Tag und Thomas Hesemeier vom Arbeitgeber-Service sowie Auszubildender Götz Kerschief.

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