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Agentur für Arbeit Lübeck

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Agenturchef HL im Interview: "Positiver Start ins neue Jahr"

22. Januar 2013 (HL-Red-RB) Die Newsletterredaktion der Agentur für Arbeit Lübeck führte ein Interview mit dem Agenturchef Wolfgang Werner zur Arbeitsmarktentwicklung und seinen Einschätzungen für 2013:
"Ende Dezember 2012 waren 17.409 Frauen und Männer im Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck arbeitslos gemeldet. Einen so niedrigen Dezemberstand gab es zuletzt 1991. Herr Werner sind sie mit der Entwicklung zufrieden?
Werner: Ja. Wir starten in Lübeck und Ostholstein auf einer soliden Basis in das Jahr 2013. Die Beschäftigung blieb 2012 stabil, die Zahl der Arbeitslosen lag in allen Monaten unter der des Vorjahreswertes und es gab eine fortgesetzte Nachfrage der Wirtschaft nach Arbeitskräften. Besonders freut es mich, dass die Arbeitslosenquote in der Hansestadt Lübeck im September erstmals nach 20 Jahren wieder unter 10 Prozent gesunken ist. Im Oktober hatte die Hansestadt sogar die niedrigste Quote der vier Städte in Schleswig-Holstein, während es vor vier Jahren noch die höchste war.
Das hört sich ja sehr erfreulich an. Gab es denn nur Gewinner auf dem Arbeitsmarkt?
Werner: Leider nein. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen und älteren Arbeitnehmer ist insbesondere im Jobcenter gestiegen. Ältere haben zwar ein geringes Risiko arbeitslos zu werden, aber ihre Chancen, in Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt wieder einzumünden, sind leider sehr ungünstig. Ich würde mich freuen, wenn Unternehmen bei der Suche nach Arbeitskräften ältere Arbeitslose intensiver in die Personalauswahl einbeziehen würden. Denken Sie daran: „Ältere brauchen zwar etwas länger als jüngere Arbeitnehmer, dafür kennen sie aber die Abkürzung“.



Foto (© Reinhard Bartsch, Lübeck): Agenturchef Wolfgang Werner

Welche Entwicklung erwarten Sie 2013?
Werner: Der örtliche Arbeitsmarkt wird gestützt durch die mittelständische Wirtschaftsstruktur und einen stabilen Zuwachs an Beschäftigung im Dienstleistungssektor, der weniger krisenanfällig ist als zum Beispiel die exportabhängigen Branchen. Deshalb erwarte ich auch in diesem Jahr einen stabilen Arbeitsmarkt in unserer Region.
Demografie und Fachkräftemangel sind bundesweit in aller Mund. Leiden auch unsere Betriebe darunter?
Werner: Der Arbeitsmarkt wandelt sich zunehmend vom Arbeitgebermarkt hin zum Arbeitnehmermarkt. Von einem flächendeckenden Mangel würde ich bei uns jedoch nicht sprechen. Es gibt natürlich auch in unserer Region Bereiche, in denen bereits Fachkräftenengpässe bestehen. In Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik kommen in Lübeck zum Beispiel rechnerisch nur noch 0,6 Arbeitslose auf eine gemeldete Stelle. In Ostholstein sind es 2,0. In medizinischen Gesundheitsberufen sind es in Lübeck 1,0 und in Ostholstein 1,8 Arbeitslose. Auch in Bau-, Metallbau- oder Hotel- und Gaststättenberufen gibt es zunehmend weniger Bewerber pro Stelle.
Insgesamt ist deutlich spürbar, dass die Auswahl an Arbeitskräften kleiner wird und die Dauer des Stellenbesetzungsprozesses fühlbar zunimmt. So dauert laut Untersuchung des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Stellenbesetzung eines Arbeitsplatzes mit Berufsabschluss schon 80 Tage; und damit 26 Tage länger als die Betriebe geplant haben. Ich rate allen Arbeitgebern, frühzeitig mit der Suche zu beginnen und den Arbeitgeber-Service rechtzeitig einzuschalten.
Was tut die Agentur für Arbeit Lübeck gegen diese Fachkräfteengpässe?
Werner: Bildung ist einer der wesentlichen Katalysatoren zur Fachkräftegewinnung. Deshalb werden in diesem Jahr Arbeitsagentur und Jobcenter unter Berücksichtigung der Eignung und Neigung der Arbeitnehmer weiter verstärkt in Weiterbildung investieren. Neben der klassischen Förderung der Teilnahme an beruflichen Bildungsmaßnahmen möchte ich die Möglichkeit der betrieblichen Einzelumschulung für Arbeitslose ohne abgeschlossene Ausbildung besonders erwähnen. Hier kann der Umschüler wie in einer normalen Ausbildung im dualen System - mit praktischer Ausbildung im Unternehmen und theoretischer Ausbildung in der Berufsschule - in verkürzter Form einen Berufsabschluss erlangen. Ich wünsche mir hier für 2013 eine deutlich stärkere Bereitschaft der Unternehmen.
Fortgesetzt wird auch die Förderung der Weiterbildung Beschäftigter in den Betrieben. Ziel bleibt auch hier, Firmen durch teilweise Übernahme der Kosten zu animieren, ihren geringqualifizierten Beschäftigten einen Kammerabschluss zu ermöglichen.
Sicher ist aber, dass wir das nicht alleine schaffen. Dafür benötigen wir die Betriebe als Partner, denn um wirklich gute Produkte und Dienstleistungen zu erbringen, müssen Unternehmen in Ihre Mitarbeiter investieren.
Das gilt auch für die Ausbildung junger Menschen, die nicht gleich allen Anforderungen des Ausbildungsbetriebes entsprechen.
Da haben Sie sich ja viel für 2013 vorgenommen, gibt es weitere Schwerpunkte in diesem Jahr?
Werner: Wir verzeichnen in den letzten Jahren eine immer stärkere Inanspruchnahme des Arbeitgeber-Service. Diese erfreuliche Entwicklung wollen wir weiter ausbauen, um eine noch größere Transparenz auf dem Arbeitsmarkt herzustellen. Wir werden die Akquisition von Stellen weiter verstärken. Ich empfehle Personalverantwortlichen, schalten Sie den Arbeitgeber-Service bei Ihrer Arbeitskräftesuche ein. Ich bin sicher, Sie erhalten eine hilfreiche Unterstützung bei der Personalgewinnung.
Der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit steht ebenfalls im Fokus. Hier werden wir eine ganzheitliche Betreuung und Beratung für Arbeitslose mit komplexen Profillagen organisieren, um ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt schneller und in höherem Umfang zu ermöglichen.
Vielen Dank für das Gespräch."


Quelle::
Agentur für Arbeit Lübeck
www.arbeitsagentur.de

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