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Konjunkturumfrage: Der Abschwung erfasst auch den Norden

05. Februar 2009 (Lübeck). Der Abschwung erfasst auch den Norden. Böge und Rohwer: »Stimmung schlechter als die Lage!« Die weltweite Finanz-und Wirtschaftskrise mit ihren negativen Auswirkungen hat auch die schleswig-holsteinische Wirtschaft erreicht. Mit einem Wert von 80 Punkten verfehlt der IHK-Konkjunkturklimaindex, der einen Wert zwischen 0 und 200 annehmen kann, im 4. Quartal 2008 deutlich die Werte der letzten Jahre.

»Angesichts
der täglichen Negativmeldungen aus dem nationalen und internationalen
Umfeld verwundert es nicht, dass in Schleswig-Holstein die Stimmung derzeit
schlechter ist als die aktuelle Lage«, so der Kommentar von Margarete Böge, Präsidentin,
und Prof. Dr. Bernd Rohwer, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-
Holstein. Nachdem sich die stabile Exportentwicklung lange Zeit als Konjunkturstütze
erwiesen hatte, zeigt sich jetzt ein besorgniserregender, durch die internationale
Finanzkrise ausgelöster Einbruch bei den Auslandsaufträgen. Stabilisierend
wirkende Einflüsse wie die jüngste Entwicklung des Eurokurses, der Rückgang der
Ölpreise und der Inflation federn diese negative Entwicklung zwar etwas ab, können
sie jedoch nicht kompensieren. Insgesamt beurteilen 27,3 % der befragten
Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 47,1 % als befriedigend und 25,6 % als
schlecht (Vorquartal: 26,5 %; 51,8 %; 21,7 %). Dies ergab die von der IHK
Schleswig-Holstein durchgeführte repräsentative Umfrage bei 1.400 Unternehmen
im nördlichsten Bundesland. Dazu erklärte Margarete Böge: »Insbesondere für die
exportorientierte Investitionsgüterindustrie steht ein hartes Jahr bevor. Die mittelständisch
geprägte Wirtschaftsstruktur unseres Bundeslandes und die vergleichsweise
geringe Abhängigkeit von der Automobilproduktion geben aber Anlass zu
der Hoffnung, dass die Krise gemeistert werden kann.«
Besonders betroffen hat die Konjunkturflaute die Industrieunternehmen. Weil derzeit
noch bestehende Auftragspolster abgearbeitet werden, wird die aktuelle Geschäftslage
zwar überwiegend als zufrieden stellend beurteilt. Insbesondere die
Investitionsgüterproduzenten sehen wegen ausbleibender Neuaufträge aber pessimistisch
in die Zukunft. Relativ günstig stehen noch die mehr binnenmarktorientierten
Verbrauchsgüterproduzenten da. Die Bauwirtschaft leidet weiterhin unter
der schwachen Wohnungsbaunachfrage. Es wird darauf ankommen, die aus dem
Konjunkturpaket II zu erwartenden Mittel schnell in baureife Projekte umzusetzen,
um die Branchenkonjunktur zu beleben. Angesichts eines zufrieden stellenden
Weihnachtsgeschäfts hat sich die Lage im Einzelhandel stabilisiert. Allerdings wird
für die kommenden Monate nicht mit einer Steigerung der Ausgabefreude der
Kundschaft gerechnet. Die Lage der Verkehrswirtschaft hat sich im Sog der ungünstigen
Industriekonjunktur deutlich verschlechtert. Auch die Dienstleistungswirtschaft
konnte sich dem Abwärtstrend nicht ganz entziehen. Bezüglich der Finanzmarktkrise
gilt ein besonderes Augenmerk der Kreditwirtschaft des Landes.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen hier aber eine überwiegend befriedigende
Geschäftslage auf. Die Zukunftseinschätzungen der Branche sind jedoch vorsichtiger
geworden. Dazu Prof. Rohwer: »Die starke regionale Verankerung unserer
Banken und Sparkassen wirkt sich in der Krise positiv aus. Die Umfrageergebnisse
zeigen, dass die Institute bei der Kreditvergabe inzwischen vorsichtiger agieren,
eine Kreditklemme für die schleswig-holsteinische Wirtschaft aber auch weiterhin
nicht zu erwarten ist.«
Trotz der rezessiven Tendenzen ist für die kommenden Monate nicht nur Pessimismus
angesagt. Zwar erwarten 48,6 % der Unternehmen eine Verschlechterung
der Lage, andererseits aber auch 39,7 % eine gleich bleibende und 11,7 % eine
Verbesserung ihrer Situation (Vorquartal: 27,8 %; 53,1 %, 19,1 %). Dazu Böge und
Rohwer: »Die Lage ist zwar ernst, unsere Unternehmen verfallen aber keineswegs
in Resignation. Sie gehen überwiegend gefestigter als bei früheren Konjunkturabschwüngen
in diese schwierige Phase. Es ist auch richtig und notwendig, dass die
Bundesregierung ein weiteres nennenswertes Konjunkturprogramm auf den Weg
gebracht hat – auch wenn wir nicht allen Einzelmaßnahmen zustimmen können.«
Bei den Beschäftigungsplänen zeigt sich eine leichte Tendenz zum Personalabbau.
Zwei Drittel der Unternehmen planen aber, ihre Personalbestände konstant
zu halten. Die Investitionsneigung ist gegenüber dem Vorquartal gesunken.

Quelle: IHK Schleswig-Holstein



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