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Chancen für „Grünes Wachstum“: Mehr Mut zur Veränderung wagen

09. Dezember 2011 (HL-Red-RB) Es wird eine weitere industrielle Revolution geben, „und das wird eine ökologische“ – davon zeigte sich Schleswig-Holsteins ehemaliger Ministerpräsident Björn Engholm am Ende der Veranstaltung „Grünes Wachstum – ist, was theoretisch einleuchtend erscheint, auch praktisch machbar?“ in der IHK zu Lübeck überzeugt. Engholm hatte auf dem „Roten Sofa“ mit Uwe Bakosch, Geschäftsführer der Finnlines Deutschland GmbH, Reinhold von Eben-Worlée, Geschäftsführer der Worlée-Chemie GmbH, und Dr. Robert Habeck, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Schleswig-Holsteinischen Landtag, über das „Grüne Wachstum“ diskutiert. „Wenn wir von Anfang an dabei sind, gehören wir zu den Gewinnern. Und darauf muss die Wirtschaft sich einstellen“, sagte Moderator Engholm vor mehr als 60 Teilnehmern.

Bakosch will vor allem die Politik in die Pflicht nehmen, größere Transparenz beim Thema Energie herzustellen. Ein Schlüssel zum Umdenken bei den Menschen und zur Weiterentwicklung innovativer Verfahren liege in der Information über die vorhandenen Möglichkeiten. Aufgabe der Politik sei es, das Wissen zu bündeln und Interessenten zur Verfügung zu stellen. Bakosch habe nur per Zufall erfahren, dass deutsche Firmen ein Fotosynthese-Verfahren entwickelt hätten, dass wesentlich weniger Energieaufwand erfordere und einen höheren Wirkungsgrad habe als die Fotovoltaik. „Förderlich ist es auch, wenn Unternehmen mit guten Beispielen vorangehen“, so Bakosch. „Es gibt so viele tolle Ideen, aber es muss auch Anreize durch Fördermittel geben, dann hat das ‚Grüne Wachstum‘ Chancen.“

Das fordert auch Robert Habeck. „Jeder Markt funktioniert nach Regeln, und Regeln lassen sich verändern“, sagte der Grünen-Politiker. Grundsätzlich stünden seiner Ansicht nach „Grünes Wachstum“ und Ökonomie nicht im Gegensatz zueinander, spätestens seit der Finanzkrise der Jahre 2008/9 gebe es in Wirtschaft und Politik ein Umdenken zur Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie. Obwohl die Politik häufig nur langsamer reagieren könne als der Markt, sollte der Staat Marktanreizprogramme schaffen, um die Attraktivität von Investitionen in erneuerbare Energien zu erhöhen. Habeck ist sich allerdings bewusst, dass diese gut gemeinten Absichten auch zum gegenteiligen Effekt führen könnten: „Wenn sich Familien statt eines Autos mit hohem Kraftstoffverbrauch drei sparsame Fahrzeuge kaufen, steigt der Ausstoß an Kohlenstoffdioxid am Ende trotzdem.“

Reinhold von Eben-Worlée ist bei den Förderprogrammen skeptisch. „Viele gesetzliche Vorgaben sind nach hinten losgegangen.“ Zudem bezweifle er, ob die Öko-Bilanz einer Windkraftanlage tatsächlich so günstig ist, wie gemeinhin angenommen, denn für den Bau seien Tausende Tonnen Stahl und Beton sowie viel Kupfer erforderlich. Der Wille zur Einsparung von Ressourcen fange in den Unternehmen an, betonte von Eben-Worlée, der den Familienbetrieb in der fünften Generation führt und den Prinzipien des hanseatischen „Ehrbaren Kaufmannes“ verpflichtet ist. Vieles ergebe sich von selbst, denn fast jedes Produkt sei eine Weiterentwicklung eines bestehenden und weise daher Verbesserungen auf, betonte er. Die zunehmend steigenden Preise für Energie und Rohstoffe führten in den meisten Unternehmen zu Prozess- und Produktverbesserungen und so zu großen Einsparungen. Außerdem sei es eine Stärke der deutschen Industrie, über die Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Technologien und deren kostengünstiger Markteinführung zu verfügen. Entscheidend für mehr Ökologie in der Ökonomie sei seiner Ansicht nach ein Umdenken in der Politik: „Es muss den Mut zur Erkenntnis geben, mit einer Förderung Schluss zu machen, wenn sie in die falsche Richtung geht. Bei jeder Regelung sollten wir festlegen, wie lange ihre Laufzeit ist.“

Dem stimmte Bakosch zu, der eine Verordnung zur Begrenzung des Schwefelausstoßes von Schiffen in der Ostsee kritisierte. „Der Wert soll hier ab 2015 mit 0,1 Prozent extrem niedrig liegen, auf vielen anderen Meeren aber bleibt er mit 3,5 Prozent deutlich höher“, beklagte er. „Das wird zur Folge haben, dass in den vom Seeverkehr abhängigen Ländern wie Finnland die Preise steigen und andere Staaten aufgrund des sich verteuernden Schiffs-Treibstoffes den Transport vorwiegend auf die Straße verlagern. Am Ende steigt der Schadstoffausstoß doch an und die Vorgabe verfehlt ihren Zweck.“ Sinnvoller wäre eine einheitliche Reduktion auf allen Weltmeeren auf beispielsweise zwei Prozent gewesen, damit die Emissionen insgesamt zurückgehen.

Matthias Schulz-Kleinfeldt, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, stellte heraus, dass in der Wirtschaft das Prinzip der Nachhaltigkeit sehr ausgeprägt sei. „Das ist eine ureigene Tugend des hanseatischen Kaufmannes. Der hätte niemals sein eigenes Kapital verzehrt, sondern bestenfalls die Zinsen.“ Die Deutschen seien auf einem guten Weg, müssten sich aber im Bereich der Effizienzsteigerung beim Ressourcenverbrauch weiter anstrengen, um beispielsweise mit den USA mitzuhalten, die sich auf dem Weltmarkt für Umwelttechnologien bereits eine hervorragende Ausgangsbasis verschafft hätten.

Auch Engholm erwartet den ökologischen Durchbruch durch einen Strukturwandel in den kommenden Jahren. Zeuge so eines Wandels in der Lübecker Industrielandschaft ist der Fotograf Rainer Wiedemann gewesen. Der Kunsterzieher an Lübecker Schulen hat den Abriss der Herrenbrücke in seinen Fotos festgehalten. „Eine Dokumentation in dieser Fülle und mit diesem hohen künstlerischen Anspruch habe ich noch nicht erlebt“, sagte Engholm und eröffnete die Fotoausstellung „Die letzte Klappe – Abschied von der Herrenbrücke“ im Foyer der IHK. Die Ausstellung ist bis Freitag, 23. Dezember 2011, von montags bis donnerstags während der Öffnungszeiten und von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 16 zu sehen.

Mehr Neuigkeiten finden Sie im Newsroom der IHK zu Lübeck: www.ihk-schleswig-holstein.de/newsroom-ihkluebeck.


Quelle:
Industrie- und Handelskammer zu Lübeck
www.ihk-schleswig-holstein.de
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