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Agentur für Arbeit Lübeck

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Mehr Zeit für ältere Menschen!

05. März 2011 (HL-Red-RB) Hiller-Ohm zum Praxistag im Lübecker Alten- und Pflegeheim Haus Simeon: Einen Tag lang besuchte die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD) an diesem Mittwoch das Alten- und Pflegeheim der Caritas Haus Simeon. Die SPD-Politikerin begleitete das Pflegepersonal, um sich über das Arbeiten und Leben im Alten- und Pflegeheim zu informieren. Am Abend diskutierte Hiller-Ohm im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung über das Gesundheitssystem und die Pflege.

„Ich bedanke mich beim Haus Simeon für den umfassenden Einblick in alle Bereiche des Hauses“, so Hiller-Ohm. „Ich habe höchste Achtung vor dem Pflegeberuf. Was die Pflegerinnen und Pfleger hier im Haus Simeon leisten, ist wirklich bewundernswert. Die Arbeit ist nicht nur körperlich sehr anstrengend. Der Umgang mit den hilfebedürftigen und oft schwer kranken Menschen ist auch psychisch sehr fordernd.“

Insgesamt leben 106 Menschen im 1972 gegründeten Caritas-Haus, 35 von ihnen sind schon 90 Jahre oder älter. Sie werden von 95 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut, drei Viertel von ihnen arbeiten in Teilzeit. Hiller-Ohm: „Ich bin sehr beeindruckt, wie professionell, aber gleichzeitig auch liebevoll und verantwortungsbewusst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Patientinnen und Patienten umgehen. Ich freue mich von den Bewohnerinnen und Bewohnern zu hören, dass sie sich hier wohl fühlen. Auch die Pflegerinnen und Pfleger, die zum großen Teil im Haus ausgebildet wurden, arbeiten gern hier. Zugleich engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich und leisten wichtige Unterstützung zum Beispiel zur Verschönerung des Alltages, bei Ausflügen und auch bei der Sterbebegleitung. Das Haus lebt von dem guten Zusammenwirken von kompetentem und motivierten Personal und überaus engagierten ehrenamtlich Tätigen. Ich freue mich auch, dass das Haus Simeon seine eigene Küche behalten und diesen wichtigen Bereich nicht ausgegliedert hat."

2006 konnte durch erfolgreiches Einwerben von Spenden eine neue Wohngruppe für rund 15 demenzkranke Menschen eingerichtet werden. Für diese „wegweisende Initiative“, so Hiller-Ohm, erhielt das Haus im gleichen Jahr einen bundesweiten Innovationspreis.

Natürlich steht auch das Haus Simeon vor vielen Herausforderungen. So bleibt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer weniger Zeit für die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten. Das liegt vor allem am Verwaltungsaufwand, der in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. „Die Dokumentation über die Arbeit mit den Patienten ist zeitaufwendig“, erklärt Hiller-Ohm. „Sie ist aber wichtig, um nachvollziehen zu können, welche Hilfen ein Patient bekommen hat. Darüber darf aber natürlich der Mensch nicht ins Abseits geraten. Den Pflegerinnen und Pflegern muss genügend Zeit für die Arbeit mit den Patienten bleiben. Denn ein liebes Wort oder einfach einmal zuhören ist für die älteren Menschen oft am allerwichtigsten. Die Hausleitung versucht deshalb, durch Umstrukturierungen mehr Zeit für die eigentliche Betreuung zu gewinnen.“

Auf der Podiumsdiskussion am Abend, zu der Hiller-Ohm ins Haus Simeon eingeladen hatte, diskutierten Landtagsabgeordneter Wolfgang Baasch, Sozialsenator Sven Schindler (beide SPD), der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Nordwest Dr. Dieter Paffrath, die Leiterin des Alten- und Pflegeheims Haus Simeon Lioba Mitter und Pflegedienstleiterin Karin Östreich mit rund 50 Gästen über die Probleme und Herausforderungen im Gesundheitswesen.

„Einig waren sich alle, dass wir mehr Zeit für Menschen brauchen“, erklärt Hiller-Ohm. „Pflege nach Minuten abzurechnen ist ein Irrweg. Wir müssen eine solide und gerechte Finanzierung für Gesundheit und Pflege finden. Ebenso ist eine bessere Vergleichbarkeit der Einrichtungen wichtig. Die Transparenzberichte können dafür nur ein erster Schritt sein. Es kommt darauf an, dass der konkrete Pflegealltag vor Ort beurteilt werden kann. Die Pflegedokumentation darf nicht Überhand nehmen – dafür müssen die Kontrollen verstärkt werden.“

Deutlich wurde auch, dass der Einkauf von Hilfsmitteln und Pflegeprodukten unbürokratischer von den Kassen geregelt werden muss. Aber auch die großen Linien im Pflegesystem müssen überdacht werden. „Bei der Pflegestufen-Finanzierung müssen die Einrichtungen einen Anreiz erhalten, die Menschen wieder fit und selbständiger zu machen“, so Hiller-Ohm. „Zudem muss Pflege ambulant besser möglich sein.“

Für die SPD-Abgeordnete ist ein weiteres Thema ganz zentral: „Klar ist allen auch: Wir brauchen immer mehr Fachkräfte in der Pflege – also auch mehr Anreize für die Ausbildung und Arbeit in dem schweren Beruf. Die Bezahlung des Pflegepersonals entspricht nicht deren Leistungen. Der Beruf muss dringend aufgewertet werden. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, in der Pflege einen Mindestlohn von 8,50 Euro durchzusetzen. Das kann aber nur ein erster Anfang sein," so Hiller-Ohm.

Quelle:
Gabriele Hiller-Ohm, MdB | SPD-Bundestagsfraktion
Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales
Mitglied im Ausschuss für Tourismus
www.hiller-ohm.de

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