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SH 2030: IHK-HL-Präses Leicht will Aufbruchstimmung im Norden

19. Januar 2011 (HL-Red-RB) Schleswig-Holstein steht vor einem gewaltigen Umbruch. Mit dem Bau der festen Fehmarnbelt-Querung schließt sich der Ring zwischen der Öresund-Region und der Metropolregion Hamburg, und Schleswig-Holstein rückt in das Zentrum des dann größten nordeuropäischen Wirtschaftsraumes. Christoph Andreas Leicht (Foto Reinhard Bartsch), Präses der IHK zu Lübeck, betont, dass die Wirtschaft entschlossen ist, diese Chance zu nutzen. „Dazu bedarf es vor allem einer Aufbruchstimmung in der Gesellschaft. Unsere klare Botschaft lautet: Wir, die Unternehmer und ihre Mitarbeiter, lassen unseren Staat nicht vor die Hunde gehen, wir kümmern uns und beweisen Solidarität“, sagte er auf dem traditionellen IHK-Neujahrsempfang. „Dafür fordern wir aber die notwendigen langfristigen Strukturreformen und eine Beteiligung an ihrer Verwirklichung ein.“ Unter dem Motto: „Aufbruch 2030 – Unserer Region gehört die Zukunft“ sprach Leicht in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) vor mehr als 1.700 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung, unter ihnen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, Innenminister Klaus Schlie und Finanzminister Rainer Wiegard.

Leicht betonte, dass die öffentliche Hand zwar über die bisher höchsten Einnahmen verfüge, die Überschuldung der Bundesländer aber zur Handlungsunfähigkeit des Staates führe. Es handele sich aber nicht um ein Problem der Erkenntnis, sondern um eins der Umsetzung. „Wir benötigen nachhaltige, das Ganze betrachtende Reformwerke, die es auch gegen Einzelinteressen durchzusetzen gilt“, sagte der Präses.

Die Wirtschaft sei bereit zu handeln. „Wir haben in Schleswig-Holstein einen Prozess angestoßen, eine Strategie für das Jahr 2030 zu entwickeln. Das sind wir unseren Mitarbeitern schuldig, vor allem aber unseren Kindern und Enkelkindern.“ Ein Abwarten, was die Zukunft denn bringt, dürfe es nicht geben, sagte Leicht. Für die HanseBelt Region nannte Leicht besonders wichtige Handlungsfelder für die Zukunft: gute Infrastruktur, starke und erfolgreiche Zukunftsbranchen wie erneuerbare Energien, Ernährungswirtschaft, Medizintechnik, Logistik und Tourismus, ein weltoffenes, modernes Lebensumfeld und optimale Bildungsstrukturen. In diesem Zusammenhang appellierte der Präses an die Landesregierung: „Pflegt das Kapital der Zukunft, kürzt nicht bei Bildung und Wissenschaft. Tretet auf die Ausgabenbremse, aber mit offenen Augen!“

Gemeinsames Ziel von Wirtschaft und Politik im HanseBelt müsse es sein, die Region Lübeck als einen international führenden Standort für Medizin, Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft zu entwickeln. Um die von der Wirtschaft benötigten Fachkräfte zu entwickeln und zu halten, habe die IHK zu Lübeck gemeinsam mit Partnern und dem Verein HanseBelt Fach- und Führungskräfte-Initiativen ins Leben gerufen. „Wir erarbeiten speziell für die kleineren und mittleren Unternehmen ein Traineeprogramm, mit dem sie Hochschulabsolventen integrieren und fördern können“, so Leicht. Der Kampf gegen den Fachkräftemangel erfordere es zudem, bisher wenig genutzte Potenziale zu erschließen: Leistungsschwache, Ältere, Mütter, die aus der Familienphase ins Berufsleben zurückkehren, Migranten und Fachkräfte aus dem Ausland.

Die Impulse aus dem Bau der Beltquerung würden die wirtschaftliche Entwicklung nicht nur im HanseBelt befördern. „Wir haben die Chance, ganz Schleswig-Holstein als Wirtschaftszentrum einer neuen europäischen Metropolregion zu entwickeln“, sagte Leicht. Die Wirtschaft denke und handle schon immer über Grenzen hinweg. Das haben sie erst Anfang Dezember mit der Eröffnung einer gemeinsamen Geschäftsstelle von IHK zu Lübeck und Handelskammer Hamburg in Norderstedt bewiesen. Diesem Meilenstein in der Kammerkooperation sollten zügig Taten in Hamburg und Schleswig-Holstein folgen. „Verschlanken Sie die Prozesse in Bürokratie und Verwaltung, gehen Sie konsequent den Weg für mehr Gemeinsamkeit“, rief Leicht den Vertretern beider Landesregierungen zu und lenkte den Blick in das Nachbarland Dänemark, das sich durch zahlreiche Strukturreformen für die Zukunft gerüstet habe.

Das sich seit Jahren verbessernde deutsch-dänische Verhältnis biete große Potenziale, betonte Festredner Per Poulsen-Hansen, Botschafter des Königreichs Dänemark in Berlin. „Momentan geht es Deutschland wirtschaftlich sehr gut, davon profitieren wir auch in Dänemark“, sagte er. Die Bundesrepublik sei der wichtigste Handelspartner des Königreichs, das seine Handelsbeziehungen nach Süddeutschland ausdehnen will. Das wiederum komme deutschen Unternehmen zugute, denn Dänemark verfüge über großes Know-how in vielen Bereichen. Die feste Fehmarnbelt-Querung werde diese Entwicklung fördern. Poulsen-Hansen betonte, dass sein Land gute Erfahrungen mit der Öresund- und der Storebelt-Brücke gemacht habe. Daher verfolgten die Dänen die Debatten um das Bauwerk in Deutschland mit großem Interesse. „Wenn die Querung in einigen Jahren steht, wird sie die deutsch-dänischen Beziehungen konkret und nachhaltig beflügeln“, sagte der Diplomat. Schon jetzt gebe es Beispiele für gute Zusammenarbeit wie das bei der IHK zu Lübeck angesiedelte Projekt kulturLINK Fehmarnbelt, das das kulturelle Zusammenwachsen der Region auf beiden Seiten des Fehmarnbelts fördern soll.

Wie wichtig diese Kulturbrücke ist, betonte der zweite Festredner, Dr. Christoph Jessen, deutscher Botschafter in Kopenhagen. Er erinnerte an die vielen Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte, die Dänemark und Schleswig-Holstein geprägt haben. „Unsere Nachbarn haben ein anderes historisches Gedächtnis als wir. Das hat Auswirkungen bis in die Gegenwart.“ Allerdings beginne die Skepsis gegenüber Deutschland einem echten Interesse am südlichen Nachbarn zu weichen. Jessen sei der erste deutsche Botschafter, der 146 nach der Niederlage Dänemarks bei den Düppeler Schanzen, die zum Verlust der Herzogtümer Schleswig und Holstein geführt hatten, als geladener Gast an der Gedenkfeier in Düppel teilnehmen durfte. Mehr noch: „Nach langer Unterbrechung beginnt Berlin wieder seinen angestammten Platz einzunehmen, wird erneut zum Bezugspunkt. Wo früher Kirkegaard seine Bücher geschrieben hat, arbeiten heute wieder dänische Künstler.“

Auch wirtschaftlich stünden die Chancen gut für eine engere Verflechtung. Jessen. „Anders als in Deutschland leidet die dänische Wirtschaft unter hohen Löhnen bei abnehmender Produktivität. Das ist eine Chance für Zusammenarbeit, zumal Dänemark einiges Know-how bietet.“ Auf das Zusammenwachsen der Regionen im Zuge des Baus der Beltquerung sollte sich die deutsche Seite bereits jetzt intensiv vorbereiten. Das fange mit dem Dänisch-Unterricht an Schulen im Kreis Ostholstein an. „Die Querung kommt“, ist der Diplomat überzeugt. Mit dem Bauwerk wird etwas Neues entstehen, eine Region zwischen Südschweden und Norddeutschland. „Damit schließt sich der Kreis: Schleswig-Holstein bekommt die Chance wieder zu werden, was es einmal war: die Verbindung Skandinaviens zu Mitteleuropa“, so Jessen. Aber anders als in der Zeit der Hanse sei das Potenzial der deutsch-dänischen Zukunft so viel versprechend gewesen, noch nie hätte Schleswig-Holstein so gute Voraussetzungen für seine weitere Entwicklung. „An Ihnen liegt es, das Potenzial auszuschöpfen. 2030 ist bald!“, rief er den 1.700 Zuhörern in der Musik und Kongresshalle in Lübeck zu.

Quelle:
Industrie- und Handelskammer zu Lübeck

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