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„Wirtschaftskrise“ Thema bei Empfang der Kreishandwerkerschaft

11. Januar 2009 (Lübeck). Im Reigen der Neujahrsempfänge in der Hansestadt präsentierte sich die Kreishandwerkerschaft zum Wochenende hin im Gewerbesaal der Handwerkskammer Lübeck. Auch hier „volles“ Haus, wobei der Einladung neben den zahlreichen Handwerkskolleginnen und -kollegen viele Ehrengäste gefolgt waren. So aus der Politik Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer mit beiden Vertretern und Verteterinnen und Vertretern der Bürgerschaft, Bürgermeister Bernd Saxe sowie von politischen Parteien wie aus Wirtschaft und Verbänden. Lag es daran, dass Gäste wie Gastgeber die zwischenzeitlich „unendliche Geschichte“ von Beginn und andauernder Wirtschaftskrise bis Kreditklemme einmal aus der Sicht eines erfahrenen Bankers und Festredners erfahren wollten, oder kam man „nur“, wenn auch gerne den Regularien von Verbandsgeschehen oder Einladung nach. Immerhin ist es schon verwunderlich, dass gewisse Groß- oder Insiderbanken erst in die „amerikanische Falle“ getappt sind und zunächst fast empört den politischen Rettungsanker von sich wiesen. Heute, nachdem das Theater darum aus den dazu ermüdeten Schlagzeilen fast verschwunden ist, wird nun doch fast klammheimlich und gerne in die „Hilfs-Milliarden“ gegriffen. Vom Tisch längst die Forderung der Wirtschaft nach viel mehr Privatisierungen. Derzeit geht die Tendenz – und bei den Banken zeigt sich dies „trotz“ sichernder Teilhaberschaft des Bundes - mit wohl verkniffenen Gesichtern zurück.

Ob die spätere Festrede des Bankers Holger Zervas, Bereichsleiter in der Investitionsbank SH, diese Fragen umfassend beantwortet hat, mag im Nachhinein jeder Gast für sicht selbst entscheiden. Offen muss letztlich bleiben, wo denn die Erfahrung der deutschen Spitzenbanker bei aller Globalisierung dazu geblieben ist, als sie diese hätten zeigen können - oder müssen.

Auf jeden Fall aber ließ Kreishandwerksmeister und Gastgeber Hans Falkenhagen bei seiner Begrüßung keinen Zweifel daran, das nach der Beutelung durch Basel II 2006 und damit auch die Erschwerung der Kreditgewährung nicht vergessen ist und heute eben mit Skepsis beobachtet wird, wer innerhalb der Wirtschaftskrise Hilfe bekommt und ob diese dort wirkungsvoll ankommt, nämlich unter anderem auch beim Handwerk. Er sieht aber auch in Krisenzeiten nicht nur Nachteile, wie er beim Tanken gerade noch an diesem Tag habe feststellen können, auch wenn die Preise nun wieder langsam anzusteigen scheinen. Gewinner auf jeden Fall ist das „Klima“; denn Wirtschaftskrise bedeutet auch weniger Produktion und damit weniger Schadstoffabgabe. Positiv sieht er aber auch die Reaktion der Bundesregierung und deren Investitionsprogramme, auf die sich die „Handwerker“ heute schon freuen. Ist nicht nur dem Steuerzahler nun möglich, Handwerkerrechnungen in bestimmtem Rahmen abzusetzen und damit angeregt, Aufträge zu erteilen, so lassen kommende öffentliche Investitionsprogramme von Gebäudesanierung bis Infrastrukturmaßnahmen ebenso eine kräftige Belebung auch des Handwerks erwarten. Ein wenig vergessen wurde allerdings an diesem Abend d. E. allseits das regionale Problem überörtlich EU-diktierter Ausschreibungen. Klar stellte er auch bei aller Freude um Investitionen des Bundes über die Länder, dass die Kommunen nicht um „Eigentanteile“ herum kämen, was eine Neuverschuldung etwa auch bei der Hansestadt Lübeck zur Folge hätte. Nach wie vor fordert er die weitere Senkung der Lohnnebenkosten, die gerade beim Handwerk eine große Rolle spielen: „diese seien immer noch zu hoch“, so der Kreishandwerksmeister.



Zu 20 Jahre „Soli“ nahm Hans Falkenhagen energisch wie eindeutig Stellung: „...zügig abschaffen, zumal diese Gelder eben nicht nur für Kosten der Wiedervereinigung verwendet wurden“ und zunächst nur in die Kasse des Bundes fließt. Abschließend appellierte er an die Politik, endlich für Steuergerechtigkeit zu sorgen: „Also nicht nur vor den Wahlen davon zu reden und diese zu versprechen. Das geltende Steuerrecht ist es nicht!“ Und nur immer wieder an Stellschrauben zu drehen, werde dem auch nicht gerecht, so der Kreishandwerksmeister, und weiter: „Schluss mit der Augenwischerei! Notwendig ist ein großer „Schlag“!“

Horst Kruse, Präsident der Handwerkskammer Lübeck und Hausherr, stellte seinem Grußwort dem scheidenden Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Lübeck Manfred Kley seinen Dank für die geleistete gute Arbeit voran und verwies auf dessen Nachfolger Michael Starbusch, zu dessen ersten Aufgaben auch dieser Neujahrsempfang mit gezählt haben dürfte. Lübeck-TeaTime wird in einem eigenen Beitrag den „Neuen“ kurz vorstellen.



Der Präsident der Handwerkskammer brachte es auf den Punkt: „Wir blicken auf ein turbulentes Jahr zurück!“ Bezeichnend dabei, die Turbulenzgeschwindigkeit habe sich gerade in den letzten Monaten von Tag zu Tag gesteigert: „Wer Anfang Oktober mit Blick auf die Finanzkrise voreilig von Licht am Ende des Tunnels gesprochen hat, musste feststellen, dass es in Wirklichkeit der entgegenkommende Zug war!“ Interessant dabei für ihn vor allem, welche Auswirkungen die Finanzkrise auf das hat, was man „Realwirtschaft“ nennt. „Und diese Realwirtschaft sitzt heute Abend in diesem Raum. Denn das Handwerk ist ein Kernelement der Realwirtschaft. Wir Handwerk schaffen überall auf der Welt, überall in Deutschland, überall in Schleswig-Holstein echte Werte, keine virtuellen. Das Handwerk liefert reale Produkte und Dienstleistungen!“ Mittelstand wie Handwerk seien die Basis der Volkswirtschaft, sei stabilisierender und damit von allen zu fördernder Faktor: Eine nachhaltige Wirtschafts- und Finanzpolitik schaue nicht auf virtuelle Welten, sondern auf echte Arbeits- und Ausbildungsplätze - im Gegensatz zum internationalen Finanzmarkt – Roulette. Horst Kruse will auch die derzeitigen Prognosen nicht unter den Tisch fallen lassen. Er fordert jedoch von denen, die diese abgeben würden, sich ihrer Verantwortung dabei sehr bewusst zu sein. Abschließend seine Bitte um enge Zusammenarbeit von Handwerk und „Anwesenden“ - das Lübecker Handwerk und seine Beschäftigten haben es verdient!“

Bürgermeister Bernd Saxe, der für die „Politik“ das Grußwort sprach, bestätigte in der großen Resonanz auf die Einladung von Politik und Wirtschaft die große Wertschätzung des Lübecker Handwerks. Die „Doppelkrise“ beträfe auch die Hansestadt, so der Bürgermeister. Dennoch sieht er auch Grund zu Optimismus: Die Region sei überwiegend mittelständisch geprägt und – nach allen Erfahrungen – damit weniger anfällig, und der städtischen Haushalt sei besser geworden als die Jahre zuvor sowie die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr. Dabei statistisch keine mehr bei den über 20Jährigen. Das sei Verdienst gerade des Handwerks wie des Mittelstandes beispielsweise aus den enormen Anstrengungen um Ausbildungsplätze.



Auf die zu erwartenden Konjunkturförderungen etwa im Größenbereich 25 bis 30 Millionen Euro habe sich die Hansestadt bereits sorgfältig vorbereitet. Eine bereits erarbeitete „Liste“ an Maßnahmen enthielte viele Aufträge für das Handwerk, die es gälte verwirklicht zu werden. „Und wer zuerst auf die Landesregierung damit zukommt, wird wohl auch zuerst mahlen!“ Er fordert aber auch private Investoren auf, dem gleich zu tun. Die Hansestadt jedenfalls sagt bereits jetzt ihrerseits zügige und schnellstmögliche Entscheidungen zu.

„Steht der Mittelstand vor einer Kreditklemme“ so das Thema des Festredners Holger Zervas. Vorweg schickte er auch die günstige Aufstellung des Bankenwesens mit Sparkassen und entsprechenden Instituten in Schleswig-Holstein, die einen Absturz wie in anderen Regionen weitgehend vermieden habe. Auch bei Basel II sei es s. E. nicht so schlimm – wie zunächst befürchtet – gekommen. Zugute kommt nun ein danach höher aufgestelltes Stammkapital. In Amerika allerdings habe man diese Vorgaben nicht umgesetzt, sondern Kredithöhen munter in nicht vertretbaren Höhen und in unvorstellbarem Umfang –so auch im Immobiliengeschäft - gewährt. „Sicherheiten“ spielten in unverantwortbarer Weise kaum noch eine Rolle.



Er begrüßt die Maßnahmen der Bundesregierung wie genannte Absetzbarkeit von Handwerkerrechungen oder auch die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes. „Die Stützungsmaßnahmen der Bundesregierung sind richtig – nur müssen sie auch an richtiger Stelle ankommen!“ Wenn die Banken nun genauer hinschauen, hätten sie das vor der Krise schon gekonnt!“, so Holger Zervas. War die Privatisierung vor Jahren noch angesagt, hat man nun Teilverstaatlichungen ohne Murren vollzogen. Ob man nun allerdings in diesen Zeiten 20 Prozent Rendite gewähren sollte, scheint ihm allerdings dann doch fraglich. Der Ankauf „infizierter“ Papiere muss nicht ausgeschlossen sein, zumal diese durchaus wieder entwicklungsfähig sein können und ein Gesamtverlust noch nachteiliger sein kann. Bei aller Stützung müsse jedoch immer ein Restrisiko für auch die Institute bleiben, zumal dieses verantwortungsbewusstem Handeln diene. Er begrüßt in diesem Zusammenhang auch die Entschärfung der Beihilferegelungen durch die EU, da dies mehr Spielraum gäbe. „Rauhes Wetter sollte nicht nur negativ beantwortet werden. Dann bleibt es so. Angesagt sind vielmehr Zuversicht und Optimismus, wenn auch Besonnenheit in den Reaktionen. Man sollte aber auch nicht abwarten, was andere tun – sondern reagieren. „Eine Kreditklemme hat es bisher nicht gegeben,“ so der Banker zum Abschluss seiner Ausführungen. Habgier sei am wenigsten angesagt, sondern Ethik sollte wieder mehr Einzug in die Wirtschaft finden. Er sieht die deutsche Wirtschaft nach wie vor als stabil aufgestellt.

Genügend Diskussionsanlass also für alle schon beim folgenden traditionellen und erneut schmackhaften Grünkohlessen, der weiter für einen anregenden Abend gesorgt haben dürfte.

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