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Immer mehr Mini-Jobs und Mini-Löhne in Lübeck

01. Juli 2009 (HL/red.) Die Zahl der Mini-Jobs ist in Lübeck nach Berechnungen des DGB in den letzten Jahren weit stärker gestiegen als die der sozialversichert Beschäftigten: Fast 16.000 Beschäftigte in der Stadt hatten im letzten Jahr nur einen Mini-Job von bis zu 400 Euro im Monat. Im Vergleich zu 2001 – mit damals etwa 13.000 Mini-Jobs – hat sich ihre Zahl um über 22 % erhöht. Die Zahl der sozialversicherten Jobs hingegen sei in diesem Zeitraum mit rund 81.000 nahezu konstant geblieben. 2001 kamen in Lübeck demnach auf 100 sozialversicherte Jobs 16 Beschäftigte mit nur einem Mini-Job. Bis vergangenes Jahr ist dieser Anteil bereits auf 20 Beschäftigte angestiegen, so Uwe Polkaehn, Vorsitzender der DGB-Region Schleswig-Holstein Ost.

Dies zeige, dass Mini-Jobs keine zusätzliche Beschäftigung brächten, sondern reguläre Arbeit sogar verdrängten. Mehr Mini-Jobs bedeuten weniger gute Arbeit und weniger Vollzeit-Jobs. „Nicht der „Kuchen Arbeitsmarkt“ ist größer geworden, sondern die Zahl derer, die davon ein Stück abhaben wollen und sich nun mit Krümeln zufrieden geben müssen“, konstatiert Polkaehn. Hinzu komme, dass Mini-Jobber sozial unzureichend abgesichert sind und meist nur sehr niedrige Stundenlöhne gezahlt werden.

Mittlerweile gebe es ganze Branchen, wie etwa den Handel oder das Gastgewerbe, die hauptsächlich auf solche geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse mit einem Verdienst bis 400 Euro im Monat setzten. „Davon kann aber niemand leben. Für Alleinverdienende bedeuten solche Jobs häufig die Abhängigkeit von Hartz IV“, kritisiert Uwe Polkaehn.

Von den rund 16.000 nur im Mini-Job Beschäftigten im Juni 2008 bezogen fast 3.500 gleichzeitig Hartz IV. „Im Rahmen der Hartz-Gesetze wurde beschlossen, dass für 400 Euro auch länger als 15 Stunden in der Woche gearbeitet werden darf. Die Folge: Die Zahl der Mini-Jobber nahm zu, während die Löhne drastisch sanken“, stellt Uwe Polkaehn fest. „Entgelte sogar unter fünf Euro die Stunde sind keine Seltenheit. Besonders Frauen sind von Niedriglöhnen betroffen, da sie häufig in den „Mini-Job-Branchen“ arbeiten.“

Mini-Jobs bedeuteten nicht nur Mini-Löhne, sondern auch Mini-Renten, warnt Uwe Polkaehn. Die Unternehmen profitierten wegen der gesetzlichen Regelungen von diesen geringfügigen Jobs: insgesamt werden weniger Sozialabgaben gezahlt, außerdem werden Rechte wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlte Feiertage seltener gewährt. „Deshalb fordert der DGB, dass Arbeit, die jetzt in Mini-Jobs zerlegt ist, in sozial gesicherte Beschäftigung umgewandelt wird. Als Sofortmaßnahme muss die Zeitobergrenze von 15 Wochenarbeitstunden für Mini-Jobs gesetzlich wieder festgeschrieben werden.“

Deutschland sei trauriger Spitzenreiter bei der Zahlung von Niedriglöhnen, der Ungleichbezahlung von Frauen, aber auch hoher Managergehälter, unterstreicht Uwe Polkaehn. „Die Gehälter der Vorstände der DAX-Unternehmen sind von 1987 bis 2008 um sage und schreibe 640 % gestiegen.“ Eine beschämende Entwicklung, die die Spaltung der Gesellschaft vorantreibe. „Um dem ausufernden Niedriglohnsektor endlich Einhalt zu gebieten, ist deshalb auch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes von zunächst 7,50 Euro unbedingt notwendig.“ In der Krise müsse alles getan werden, damit nicht noch mehr sozialversicherte Arbeitsplätze und insbesondere Vollzeitarbeitsplätze abgebaut werden.

Quelle: DGB-Region Schleswig-Holstein Ost


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