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Grüne Zeitzeugen vor Säge bewahrt - Alleen blühen wieder auf

02. Mai 2010 (Gudow/HL-Red-RB) Historischer Baumbestand modellhaft restauriert – DBU stiftete 200.000 Euro – Ergebnisse übertragbar Gudow. Noch strecken die Eichen auf dem Weg zum Herrenhaus von Gudow ihre Äste etwas kahl dem Himmel empor. Im Sommer bildet ihr Laub ein dickes grünes Dach. Seit etwa 300 Jahren bietet die Allee Tieren einen Lebensraum, filtert die Luft und spendet Schatten. Doch wie der Bestand vieler baumgesäumter Straßen Deutschlands sind die Eichen durch Umweltbelastungen zunehmend bedroht. Um dieses wichtige Kultur- und Naturgut zu erhalten, führten die Landesämter für Denkmalpflege sowie für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein mit dem Institut für Baumpflege (Hamburg) ein modellhaftes Projekt zur Restaurierung sechs historischer Alleen durch.




Foto (© H. Schwarz/Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein): Die Platanenallee in Kiel-Holtenau ist eine der sechs historischen Alleen, die in dem DBU-geförderten Projekt restauriert wurden.


„Auf Basis der gewonnenen
Erkenntnisse können nun weitere der grünen Zeitzeugen gerettet werden“,
so Margret Brahms, Abteilungsleiterin im Landwirtschaftsministerium Schleswig-
Holstein, bei der heutigen Präsentation der Ergebnisse. Die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt (DBU) förderte das Projekt mit rund 200.000 Euro.
Bereits seit dem 17. Jahrhundert sind Alleen ein fester Bestandteil unseres Landschaftsbildes.
Zunächst in herrschaftlichen Gärten, später auch als Ruheoasen in Städten – der
Schönheit von Alleen erlagen Künstler wie Paul Cezànne, Max Liebermann oder Gustav
Klimt, die das Farbenspiel und die Lichtreflexe auf der Leinwand festhielten. „Auch aus
ökologischer Sicht sind Alleen bedeutend“, betont Lutz Töpfer, DBU-Referent für Umweltund
Kulturgüterschutz. Sie böten Fledermäusen, Nachtfaltern und Käfern einen wichtigen
Lebensraum. Vögel fänden Brut- und Nisträume. „Ist ihr Laub dicht gewachsen, stellen
sie eine natürliche Brücke zwischen voneinander getrennten Biotopen dar“, so Töpfer.
Zudem verbesserten die alten Bäume Klima und Luftqualität. Laut Bundesumweltministerium
kann eine hundertjährige Buche durch Photosynthese bis zu 45.000 Liter Sauerstoff
am Tag produzieren.
Doch durch Abgase, Streusalz und Straußenbau sei der zum Teil bis zu 300 Jahre alte
Baumbestand in Schleswig-Holstein zunehmend gefährdet. Auch das Wissen um Pflege
Ansprechpartner für
Fragen zum Projekt:
Dr. Margita Meyer
Landesamt für Denkmalpflege
Schleswig-Holstein
Telefon: 0431-6967775
E-Mail: margita.
meyer@ld.landsh.de
und Erhalt von Alleen drohe verloren zu gehen. Bisherige Maßnahmen richteten sich vor
allem an der Verkehrssicherheit aus. Belange des Naturschutzes und der Denkmalpflege
seien in der Praxis weniger beachtet worden. „In der Folge kann es dazu kommen, dass
Bäume umstürzen oder gefällt werden müssen“, erklärt Dr. Michael Paarmann, Landeskonservator
und Leiter des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein. An sechs
Standorten haben Experten unterschiedlicher Fachrichtungen daraufhin modellhaft die
kulturhistorische, ökologische und baumbiologische Bedeutung von Alleen erforscht –
darunter die Platanenallee in Kiel-Holtenau, die Schwarzpappelallee in Bliestorf, die Kastanienallee
in Kletkamp, die Eichendoppelallee in Gudow sowie die Lindendoppelalleen in
Ascheberg und Farve.
„In einer ersten Phase haben wir die rund 1.000 Bäume vermessen, kartiert und auf ihren
Gesundheitszustand untersucht“, so Paarmann. In einer zweiten Phase schlossen sich
baumpflegerische Maßnahmen an: Kronen stutzen, kranke und absterbende Äste abschneiden,
Totholz entfernen – „natürlich auf das erforderliche Maß beschränkt“, betont
der Landeskonservator. Dort, wo es nötig war, seien auch Konzepte zur Verkehrsberuhigung
erarbeitet worden. Das entlaste die Wurzeln der Bäume und beuge Stammschäden
vor. „Das wiederum stärkt die Verkehrssicherheit“, sagt Paarmann. „Durch die richtige
Pflege können geschädigte Alleebäume oftmals noch viele Jahre an ihrem Standort erhalten
werden. Nur drei der 607 untersuchten Bäume mussten der Säge zum Opfer fallen.“
Viereinhalb Jahre Arbeit, ein Kostenaufwand von 475.000 Euro – 208.000 Euro davon
übernommen von der DBU – sowie eine ausführliche Dokumentation sind nun die Bilanz.
„Die Arbeit hat sich gelohnt. Das Landesnaturschutzgesetz Schleswig-Holsteins wurde
während des Projekts geändert und enthält erstmals konkrete Aussagen über Wert und
Schutzwürdigkeit historischer Alleen“, betont Paarmann. Rund 23.000 Kilometer überörtlicher
Straßen sind in der Bundesrepublik Alleen. Davon 18.000 Kilometer allein in den
ostdeutschen Bundesländern. „Die Ergebnisse des Projektes sind sehr gut auch auf andere
Regionen übertragbar“, so Töpfer. Die Abschlusspublikation ist erhältlich beim Landesamt
für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holsteins.


Quelle: DBU

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