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Agentur für Arbeit Lübeck

Natur Umwelt Klima Energie

„Neue Visitenkarte Osnabrücks“ hat Alltagstauglichkeit bewiesen

16. August 2009 (Osnabrück/HL-red.) Bürogebäude schlucken viel Energie und produzieren viele Treibhausgase, die dem Klima schaden. Als die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vor 15 Jahren in Osnabrück ein neues Verwaltungsgebäude plante, wollte sie auch hier Zeichen für einen konsequenten Umweltschutz setzen. Jetzt – 14 Jahre nach dem Bezug – steht fest: Es hat geklappt. Jüngst durchgeführte Untersuchungen zeigen, dass auch jetzt noch die damals innovative Glasfassade hochdicht ist und sich das Gas zwischen der Dreifachverglasung länger hält als dies vom Produzenten garantiert wurde.



Foto (DBU): Die fünf Lichttürme sind so ausgerichtet, dass sie tagsüber genügend Licht einfangen. So wird weniger Strom in den Büros verbraucht.


„Damals sind wir mit einer neuen Technik ein Risiko eingegangen, denn die Spezialverglasungen konnten nur wenige Hersteller im Land liefern“, sagt DBU-Verwaltungschef Michael Dittrich. Heute kosten solche hochwärmegedämmten Fassaden nur ein Bruchteil von damals. So funktionierten Umweltinnovationen in der Praxis. Dittrich: „Was sich bei Ersteinsätzen bewährt, wird verstärkt gekauft, die Preise sinken und die Nachfrage steigt.“

"Wurzelvorhang" für Bäume nahe der Baustelle wurde angelegt

Zu Baubeginn sei klar gewesen, dass ökologisches Bauen die natürliche Umgebung im ehemaligen Möllerschen Park an der Straße An der Bornau so weit wie möglich erhalten müsse. So sei die über 170 Jahre alte Buchengruppe, die der Verwaltungssitz wie ein Hufeisen umschlingt, bei den Bauarbeiten konsequent geschützt worden: „Dafür wurde eigens ein sogenannter Wurzelvorhang angelegt“, erklärt Dittrich. Von Hand sei ein Graben ausgehoben und ein Jutevorhang aufgespannt worden. Das Wurzelwerk habe so vor Austrocknen und Schäden durch schwere Baumaschinen bewahrt werden können. Und die Gründung des Hauses auf Betonpfählen ermögliche den Wurzeln auch heute noch, sich ungehindert auszubreiten. Im Mittelpunkt des die Buchen umschließenden Gebäudes sorgten die Bäume als natürliche Klimaanlage dafür, dass sich das Haus im Sommer nicht aufheize, im Winter aber – wenn das Laub abgefallen ist – möglichst viel Licht und Wärme in die Büros gelangten.



Spatenstich für den Neubau des DBU-Hauptgebäudes am 17. 9. 1993 (v.l.): Osnabrücks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, Architekt Prof. Erich Schneider-Wessling, DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde, und DBU-Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Wolfgang Engelhardt


Der Innenhof mit der Buchengruppe. Die 170 Jahre alten Bäume wurden bei den Bauarbeiten geschont und das Gebäude um sie herum gebaut.Dämmung bis in die Fensterscheiben: Argon-Gas-Füllung und Metalloxidschichten halten Wärme im Haus "gefangen"

Die Planer des Niedrigenergie-Gebäudes vor den Toren Osnabrücks – die Architekten Professor Erich Schneider-Wessling, Köln (Planung) und Rolf Bohl, Osnabrück (Bauleitung) - setzten damals auf eine weitere Neuheit: eine spezielle, dreifache Wärmeschutzverglasung mit einer Argon-Gas-Füllung. Einen zusätzlichen Dämm-Effekt leisten die auf die Scheibeninnenseiten aufgedampften Metalloxidschichten, die die Wärmestrahlung aus dem Innenraum zu einem großen Teil reflektieren, die Wärme also quasi im Innern gefangen halten. Allein durch die passive Sonnenenergienutzung würden rund 19 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr an Heizenergie eingespart. „Das macht fast ein Drittel des rechnerischen Bedarfs aus, der für das Haus benötigt würde“, so Dittrich.

Beleuchtung ganz natürlich: Oberlichter und fünf Lichttürme

Auch beim Thema Beleuchtung legte die DBU den Schalter um: Große Fensterflächen sorgen für mehr Licht. Das macht Glühbirnen im Haus fast überflüssig. Fünf Lichttürme und Oberlichter zu den Arbeitsräumen lassen die Sonne in Büros und Flure. Daneben werden Stehleuchten eingesetzt, um eine vollflächige Büroausleuchtung zu vermeiden und elektrische Energie zu sparen.

Wärme und Strom vom Blockheizkraftwerk

Bei der Energieerzeugung wird seit der Errichtung der DBU-„Tochter“ Zentrum für Umweltkommunikation im Jahr 2002 ein Blockheizkraftwerk (BHKW) eingesetzt, das die DBU-Gebäude mit Heizenergie und Strom versorgt. „In der Heizperiode erzeugen wir den ganz überwiegenden Teil unseres Strombedarfs selbst und erreichen so eine vergleichsweise günstige Energiebilanz. Das BHKW rechnet sich dabei für uns auch finanziell,“ so der Verwaltungschef weiter.



Die fünf Lichttürme sind so ausgerichtet, dass sie tagsüber genügend Licht einfangen. So wird weniger Strom in den Büros verbraucht. Erstmals in Deutschland eingesetzt: Recycling-Beton, der die Umwelt entlastet

Doch nicht alle Innovationen des Gebäudes haben sich bisher durchgesetzt: Erstmals in Deutschland wurde bei der DBU Recycling-Beton im Hochbau eingesetzt. Dies war nur möglich durch ein besonderes Genehmigungsverfahren. In der Praxis verhält sich das Material, so Dittrich, völlig problemlos. Trotz der Umweltentlastung durch die Ressourcenschonung habe sich das Verfahren in der Breite bisher allerdings nicht durchgesetzt „Wir geben aber nicht auf, weil wir das Thema auch aktuell unter dem Aspekt der Schonung von Deponieraum vor Bauabfällen für besonders wichtig halten und fördern als DBU auch weiter Projekte zu diesem Thema“, erklärt Dittrich

Dittrich: "Hoffnung auf andere Bauherren mit Mut zu innovativen Ideen für Klimaschutz"

Auch die verwendeten Materialien für das Gebäude und das Mobiliar wurden ökologisch produziert und verarbeitet. Der Energieverbrauch für ihre Herstellung war gering, und Wasser, Luft und Böden wurden so wenig wie möglich belastet. Dittrich: „An später haben wir auch gedacht: Die eingesetzten Materialien sind langlebig und zum größten Teil wieder verwertbar. Unsere Massivholzmöbel, die wir 1991 beschafft haben, sind ganz überwiegend auch heute noch im Einsatz. Einmal abgeschliffen und poliert sind sie wie neu.“ Das Verwaltungsgebäude, in dem 80 Mitarbeiter ihre Büros haben, wurde einst als die „neue Visitenkarte Osnabrücks“ bezeichnet. Von außen wie von innen: Ein möglichst schonender Umgang mit den bestehenden Bäumen, die Minimierung des Energiebedarfs und gleichzeitig ein architektonisch interessantes Gebäude, das städtebauliche Akzente setzt. „Wir haben gezeigt, dass es geht und können nur hoffen, das andere private und öffentliche Bauherren den Mut finden, im Interesse eines konsequenten Umwelt- und Klimaschutzes auch mal etwas Neues auszuprobieren, damit gute innovative Ideen schneller in der Breite zur Anwendung kommen“, sagt Dittrich.


Quelle: DBU

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