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Umwelt und Soziales politisch bei Gentechnik "außen vor"?

20. Mai 2009 (HL-red.) Mit Blick auf den heute geplanten Runden Tisch zur Zukunft der Grünen Gentechnik in Deutschland haben der NABU und die Verbraucher-Organisation Slow Food Bundesforschungsministerin Schavan aufgefordert, auch über die ökologischen und sozialen Folgen der Biotechnologie zu diskutieren. Nach den jüngsten Ergebnissen einer von Slow Food beim Forschungsinstitut Forsa in Auftrag gegebenen Studie sind nach wie vor 78 Prozent der Deutschen eindeutig gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. Sogar 85 Prozent lehnen auch die Verfütterung von gentechnisch manipulierten Pflanzen an Nutztiere ab. Nicht irrationale Angst, sondern der Respekt vor der Natur ist der am meisten genannte Grund für die Ablehnung.

Der NABU fordert seit Jahren eine ökologische Sicherheitsforschung,
welche die Auswirkungen der Gentechnik auf Natur- und Umwelt untersucht
sowie ein Forschungskonzept zur Agrogentechnik, das sich mit Fragen aus
der Anbaupraxis beschäftigt.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Wir wünschen uns ein
Forschungsprogramm, das die ökologischen Fragen beim Thema Gentechnik
wirklich angeht. Dazu brauchen wir jedoch ein Programm, das mit Natur-
und Verbraucherschützern gemeinsam aufgestellt und diskutiert wird,
damit es dann am Ende auch von allen akzeptiert werden kann.“

Obwohl das Bundesforschungsministerium seit vielen Jahren die
Biosicherheitsforschung mit hohen Summen fördere, sei über
grundsätzliche Fragen bislang nicht nachgedacht worden. Weder gebe es
ausreichende Untersuchungen zu der Wirkung des im Genmais enthaltenen
Giftes auf Bienen, Schmetterlinge und Käfer noch habe man sich mit der
Frage befasst, welche Risiken für Wasserorganismen bestehen. Dabei gibt
es bereits heute Forschungsergebnisse aus den USA, die ein Risiko für
Gewässersysteme nahelegen.

NABU und Slow Food kritisierten, dass eine der wichtigsten Fragen im
Vorfeld des Gentechnik-Treffens gar nicht zur Debatte steht: Welche Art
von Landwirtschaft wollen wir überhaupt? Ist die momentan praktizierte
industrialisierte Landwirtschaft mit ihrem hohen Anteil an Spritz- und
Düngemitteln überhaupt gesellschaftlich wünschenswert, nachhaltig und
zukunftsfähig? „Solange diese Fragen nicht beantwortet sind, wird die
Gentechnik weiter nur die Kassen von Saatgutkonzernen füllen, aber nicht
den Hunger in der Welt stillen“, so NABU-Präsident Tschimpke.

Slow-Food-Unterstützer und „Jahrhundertkoch“ Eckart Witzigmann: „Ich
habe nichts gegen Forschung und Innovationen. Aber für mich als Koch hat
immer das Produkt im Mittelpunkt gestanden. Und da setze ich auf
natürliche Lebensmittel. Genmanipulierte Produkte kommen bei mir
nicht in die Küche und auf den Tisch. Ich fürchte auch um die Vielfalt
der Produkte, wenn die Bauern nur noch wenige Saatgutarten von immer
weniger Herstellern verwenden dürfen. Ich gehöre zu den Menschen, denen
es nicht zuletzt um Ethik geht, und ich finde es unerhört, wenn uns
Politiker und Wissenschaftler als Angsthasen hinstellen, weil wir
derartige Eingriffe in die Natur aus tiefer Überzeugung ablehnen.“

NABU und Slow Food sprachen sich ferner für eine strengere Kontrolle
der Steuergelder aus, die in die Gentechnikforschung fließen. Es sei zu
beobachten, dass kritische Wissenschaftler, die einen stärkeren Fokus
auf die Risiken und Unsicherheiten der Technologie haben, von Mitteln
aus dem Forschungsministerium wenig abbekommen.

Die komplette Forsa-Umfrage ist ab heute Nachmittag unter
www.slowfood.de verfügbar.

Im Internet zu finden unter www.NABU.de und www.slowfood.de


Quelle: NABU Schleswig-Holstein

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