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Agentur für Arbeit Lübeck

Natur Umwelt Klima Energie

Verstoß gegen Hecken-Schnitt-Schonzeit kein Kavaliersdelikt

03. August 2017 (HL-Red-RB) Meinung: Heute beginne ich den Redaktionstag mit einem „klaren Wort“ an alle die, die in diesem Tagen „Hecken, Buschwerk und Gehölze (also auch Bäume) beschneiden. Schluss mit dem Unsinn von „ab Johannis und Juli“ darf geschnitten werden. Diese „Regel“ jedenfalls, wann auch immer die einmal gegolten hat,kenne ich zu Johannis nur zum Spargelstechen, das dann „endet“.
Zum „Hecken&Gehölz&Baum-Schnitt“ jedenfalls gilt längst der § 39 Bundesnaturschutzgesetz, der diese Dinge klar regelt. Kurzform zu besagtem „Schnitt“ – erlaubt oder verboten (es ist ein Deutschland weit geltendes Bundesgesetz): Wenn etwa auch die Hansestadt Lübeck endlich ihre diesbezügliche Homepage „aktuell“ korrigiert – vielleicht inzwischen erledigt – und falls die Pressemeldung vom Februar diesen Jahres doch nicht bekannt, beginnt die legale Schnitt-Zeit am 1. Oktober und endet am letzten Tag des darauf folgenden Februar. Der Beginn der Schonzeit jedenfalls ist seit diesem Jahr sogar vorverlegt vom 15. auf den 1. März!

Verständlich? Nun, offenkundig bisher nicht überall, leider nicht einmal bei Fachunternehmen, die solche Arbeiten in Auftrag nehmen. Warum allerdings die sich daraus ergebende Schonzeit, das Verbot solcher Schnittarbeiten zwischen dem 1. März und 30. September, einfach missachtet wird, kein Verständnis dafür. Wie Lübeck-TeaTime berichtete, hat selbst der BEREICH GRÜN der Hansestadt Lübeck kürzlich - in der Schonzeit - selbst dagegen verstoßen. Wurde sogar gleich zu Beginn der Arbeiten im beispielsweise Bereich Baltic Schule trotz Hinweis durch Lübeck-TeaTime rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, dennoch „munter und hohnlachend“ weiter geschnitten. Ein Gesetzesverstoß durch ein eigentliches Vorbild. Zumindest noch drei wurde munter weiter das Gesetz missachtet.

Damit wurden Lebensbereiche von Vogel- und Insektenwelt für derzeitiges Leben und Überleben bis und ab Herbst über den Winter nachhaltig zerstört. Kein Wunder also, wenn es immer weniger Vögel und Insekten auch durch solches Fehlverhalten gibt. Es wird immer auch auf die Verwendung von Insektiziden & Co verwiesen. Klar eigentlich – nur die Missachtung der simpelsten Regel zu Schnitt-Schonzeiten bewegt sich d. E. zwischen „Dummheit, Nichtwissen und Missachtung zugunsten kommerzieller Vorteile“, wenn etwa sommerliche „saure Gurkenzeit“ in Aufträgen in dieser Weise von Unternehmen überbrückt wird. Da scheint frau/man locker ein Bußgeld zu riskieren. So im vergangenen Jahr, also im Umfeld hier, Hecken in die Alt-Substanz geschnitten - also unter eben einen zulässigen „Schonschnitt“. Eigentlich ganz einfach: Solange grünes Laub seitlich wie oben zu sehen ist, entspricht dies der Vorgabe. Dagegen überwiegend dunkles „Holz“ - zumindest Beginn von Grenzwertigkeit...
Über das - wie zu hören - auferlegte Bußgeld in Höhe von 150 Euro (!), weil sogar ein „altes“ Vogelnest mit vier Eiern in der Hecke plötzlich „oben frei gelegt“ wurde, lachte man jetzt noch. Eine vorgeschriebene Vorschau, ob da Nester wären, damit unterlassen. Das E-Messer offensichtlich „durchgezogen“ - ohne Rücksicht eben. Nachgewiesen, wie dementsprechendes Fotomaterial vom 4. Juli 2016 zeigte. Geschnitten wurde zudem, wie eingeräumt, kurz zuvor am 28. Juni, von den BewohnerInnen dort durchaus gut hörbar.

Die Behauptung im Bußgeldverfahren, am Schnitttag wäre kein Nest vorhanden gewesen, die Idee einer lediglich „juristischen Schutzbehauptung“. Ohne Erfolg; denn wer wollte glauben, das Vogelpaar hätte es nach dem Schnitt geschafft, ein „Alt-“Nest zu bauen und vier Eier zu legen.

Entsprechende Fotos folgen im weiteren Verlauf dieses Berichtes.

Motto wohl (noch 2016) „...macht ja nichts, sieht ja keiner“!“ Doch, Lübeck-TeaTime hat es gesehen und – ohne „Anzeige“ zu wollen oder zu erstatten, bei der Recherche zu den Bestimmungen dieses Bußgeld ausgelöst. Das wäre zuviel der Aufmerksamkeit gegenüber dem Unternehmen aus meiner Sicht gewesen, das ohnehin so nicht dem simpelsten Anspruch von – zudem umweltbewusster und damit angesagt nachhaltiger Kompetenz – ggf. „zuletzt“ in 2016 - entsprochen hat.

Gleichgültigkeit zumindest leider auch im jetzt „neuen“ Jahr – Beispiel Baumaßnahme Baltic Schule mit der Rodung eines Teilgeländes im Bereich Otto-Passarge-Schule. Zu einem Zeitpunkt, in dem Bodenbrütern der Vogelwelt mit ihrem Brutgeschäft beginnen würden. Nicht nur der alte Lebensraum war zerstört damit, es bestand auch die Gefahr, dass Vögel im Liegenlassen des geschnittenen Strauchwerks versuchen würden, ihren zerstörten Nistbereich darin zu ersetzen. Die neuen Nester wären dann durch die spätere Abfuhr des Materials auch verloren gewesen. Durch welchen Auftragnehmer? Nun, drei Mal darf geraten werden...



Nun – und weiter - ganz „aktuell“: Vor wenigen Tagen begannen hier im Umfeld ebenfalls Schnittmaßnahmen. Mein vorsorglicher Hinweis, es seien lediglich „Schonschnitte“ zulässig, wurde erneut verlacht. Das Bußgeldverfahren war bekannt – „...ja und, waren ja „nur 150 Euro!“ Den Begriff kannten die Facharbeiter nicht, außerdem würden sich „Gesetze ständig ändern“. Scheint jedoch nicht so ganz unbekannt geworden zu sein; denn vom ersten Eindruck her wurde in diesem Jahr „vorsichtiger“ geschnitten.
Erlaubt ist nämlich (lediglich), den (grünen) Zuwachs zu kürzen. Denn eindeutiges Zeichen, diesen erlaubten Schnitt missachtet zu haben, ist – dunkles Holz ohne Grün darüber.

Hier die „Gegenüberstellung“ der Schnitte Vorjahr und nun:

2016:



Hier ist die Seite erkennbar bis auf altes Holz zurück geschnitten. Das ist Form- und kein Schonschnitt – nicht zulässig. So auch „oben“ - und damit liegt ein Nest frei.




2017:



Hier „grünt“ die Hecke immer noch – trotz des Schnittes. Das entspricht der Vorgabe eben eines Schonschnittes. Das Bußgeld-Verfahren mag gewirkt haben – oder die diesseitige Aufforderung beim Schnitt am Vortag im nachbarlichen Wohnbereich, die Bestimmungen zu beachten.

Leider d. E. zumindest ein viel zu wenig schmerzliches Bußgeld, über das die „Natur“, könnte sie es, nur den Kopf schütteln würde. War ja nur e i n Nest? Nun, das Schnittmaterial war abgefahren, und wer wollte schon die übrigen Bereiche absuchen.

Ein weiteres Thema wäre der Baum-Schnitt. Sinngemäß gilt hier die Regel wie beim Heckenschnitt. Verkehrssicherheit gilt selbstverständlich – wie aber auch beim Heckenschnitt. Da sollte frau/man sich mal diese Fundstelle durchlesen.

Noch einmal die „gesamte“ Teilbestimmung:

www.bfn.de/0320_gehoelzschnitt.html

Das Bundesamt für Naturschutz weist aus Anlass verschiedener Anfragen darauf hin, dass es nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) verboten ist, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen („Radikalschnitt“). Zulässig sind jedoch schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen ( § 39 Abs. 5 S. 1 Nr. 2 BNatSchG). Wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen das genannte Verbot verstößt, handelt ordnungswidrig ( § 69 Abs. 3 Nr. 13 BnatSchG).
Ein entsprechendes Verbot gilt auch für Bäume, soweit sie außerhalb des Waldes (vgl. § 2 BWaldG), von Kurzumtriebsplantagen oder „gärtnerisch“ genutzten Grundflächen stehen (wobei auch insoweit schonende Form- und Pflegeschnitte z.B. zur Gesunderhaltung von Bäumen zulässig sind).

Und was gerade in diesen Tagen im Bereich der Fregattenstraße an Neu-Holz – außer abgängigem – abgesägt wurde, scheint mir mehr als eine Grauzone. Denn ein Schnitt außerhalb besagter Schonzeit, und der $ 39 BNatSchG gilt also auch für den Baumschnitt, wäre schon deshalb sinnvoll gewesen, um Bäumen den letztlich unnötigen „Kräfteverbrauch“ für das Ausschlagen von Jungästen und Blättern zu ersparen. Auch geht durch den Verlust an „Grün“ Lebensraum und Nahrung vor allem für Vogel- und Insektenwelt verloren.







Dies sieht wohl weniger nach einem Schnitt aus, der zu dieser Zeit unbedingt hätte gemacht werden müssen – besagt „unnötiger Kräfteverbrauch“. Und die Frage einer Verkehrssicherheit ist entbehrlich, weil die Sicht dazu von Herbst bis Frühjahr sogar günstiger wäre.

­Ständig wird darauf aufmerksam gemacht, wir müssten sorgsam mit Energieressourcen umgehen in der Verantwortung gegenüber späteren Generationen. Was aber nützt es, wenn es diese zwar „weiter gibt“, aber die Natur – siehe Vogel- und Insektenwelt – (aus-)stirbt. Stirbt die Natur – stirbt der Mensch. Klar, „liebe“ Grüne Truppe oder FacharbeiterInnen, die sich „hinter meinem Rücken“ - ja, m. E. geradezu vor „Dummheit“ strotzend, über mich hergezogen haben. Bin ich ein wenig stolz darauf sogar: Denn eines steht fest: Solchen Leuten sollte einmal ein Beruf vermittelt werden, übrig geblieben scheint mir nur ein beschämendes „Job-Denken“. Nicht nur solches – es ist auch ein gefährliches. Denn solche Nachhaltigkeit, ein sehr aktuelles Wort, muss angeprangert und verhindert werden.

Dieser Bericht – ein gewiss kleiner Beitrag nur zu dem, was hier „verbrochen wurde und leider offenkundig wird“. Aber verlassen Sie sich darauf, - das „I“ als Ehre groß zu schreiben verkneife ich mir - ihr „Jobber“ - ich bleibe aufmerksam. Ausgehend von diesem Bereich hier im Umfeld zwar nur. Leider dürfte es in anderen auch nicht besser sein. Und da wünsche ich mir – und damit uns allen – ähnliche Aufmerksamkeit...


Fotos © Reinhard Bartsch, Lübeck

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