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Agentur für Arbeit Lübeck

Natur Umwelt Klima Energie

Vogeltod beginnt schon vor der Tür - II

10. März 2017 (HL-Red-RB) Aus gegebenem Anlass wiederhole ich meinen Beitrag vom 08. März zum "Vogeltod", ausgelöst im Zusammenhang mit dem durch "Elektro-Oberleitungen", von mir ergänzt um auch Folgen durch Windkraftanlagen und dem Vogeltod, der schon "vor der Tür" verursacht wird durch inkompetentes "Gärtnern", wie ich dies nun nennen möchte, auf den ich direkt nicht eingehen möchte, der aber offenkundig aus meiner Kritik zum Heckenschnitt vom Juli 2016 ausgelöst wurde.
Aber ich wiederhole diesen auch, weil ich meine Gedanken dazu, die erneut, also an dieser Stelle, eine "Meinung" darstellen, ergänzt habe. Vorweg: Das Wurzelwerk der gefällten Bäume aus der zusätzlich durchgeführten Rodung an der Baltic-Schule Bereich ehem. Otto-Passarge-Schule ist nach wie vor nicht entfernt worden.



Rotkehlchen und Zaunkönig vor allem: fallt nicht auf diese Nistgelegenheit herein - die wird wohl bald oder irgendwann "abgeholt...


Fotos © Reinhard Bartsch, Lübeck

Das ebenfalls noch gehäufte "Sägemehl" mag nicht entscheidend sein - das Wurzelwerk schon. Die Temperatuen steigen, undnicht nur die Amseln singen früh in der Nacht, auch andere Vögel stellen sich in diesen Tagen auf das Frühjahr ein: balzen, nisten und brüten also. Was also, wenn der Lebensraum dazu zerstört wurde oder so "unbrauchbar", dass sie sich Ersatz suchen müssen. Finden sie nichts, wandern sie ab. Finden sie Ersatz, gehen sie mit unglaublichem Fleiß "an die Arbeit". Beagtes Wurzelwerk wäre so etwas. Ein fataler Irrtum wohl; denn ich jedenfalls rechne nicht damit, dass es noch rechtzeitig entfernt wird. Schlimmstenfalls, wenn bereits Nester gebaut wurden darin - oder auch schon mit Brüten begonnen wurde.

Wenn meine Sorge "zufällig" in dieser Stunde oder morgen hinfällig werden sollte, umso besser. Wenn nicht, zeichnet sich da serh Unerfreuliches ab.
Aber eine Idee: In einer geschützen Geländeecke dieses Wurzelwerk aufhäufen und einfach liegen lassen. Das wäre eine tolle Chance und ein wenig Wiedergutmachung!

Nun zur Wiederholung meines Beitrages vom 08. März:

Meinung: 1,5 Millionen Vögel sterben, wie im vorangegangenen NABU-Beitrag ausgeführt, jährlich durch Kontakt mit Strom-Freileitungen. Die Zahlen von Vogeltod durch Windkraft-Anlagen sind dabei noch nicht mitgezählt. Soll auch an dieser Stelle nicht Thema sein. Vielmehr der Vogeltod "vor unserer Tür". Ausgelöst durch Gleichgültigkeit oder Unachtsamkeit, wobei für mich auch kein Anlass besteht, die wahrscheinlich viel mehr Millionen toter Vögel, die dadurch noch dazu kämen. Von längst geächtetem Fang durch Kilometer lange Netze, in denen "Fingerfood" gefangen und dann auch noch öffentlich auf Märkten angeboten werden, auch nicht die Rede. Nein - auf simple Beispiele, die direkt vor unserer Tür passieren, will ich hinweisen:

Gerade wurde – wie bereits berichtet - das Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BnatSchG) im § 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanze geändert:
(5) Es ist verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen,

Beschränken wir uns nur auf den Heckenschnitt, den nicht nur Fachbetriebe im Auftrag wahrnehmen, sondern auch wir selbst in unseren gärtnerischen Anlagen. Was bedeutet für den Heckenschnitt innerhalb der Verbotszeit die Ausnahme „schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanze“? Die Hansestadt Lübeck ergänzt dazu: Der heimischen Tierwelt zuliebe haben u.a. Hecken ab dem 15. (jetzt 1.) März bis zum 30. September eines jeden Jahres Schonzeit.
In dieser Zeit ist es verboten, die Hecke stark zurückzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder auf sonstige Weise zu beseitigen. Die Hansestadt Lübeck hat die Satzung dazu sogar ergänzt mit "
Während der siebenmonatigen Schonzeit sind nur behutsame Form- und Pflegeschnitte erlaubt, vorausgesetzt, es brüten keine Vögel in der Hecke.“

Ob Vögel in der Hecke brüten, mag zwar für den „eigenen Garten“ bekannt sein. Wenn jedoch wie leider für Gartenbauunternehmen etwa in Wohnanlagen nicht vorhersehbar, diese sich nicht erst überzeugen, dass Hecken- oder Buschwerk nicht „bewohnt“ oder vor allem bereits die Nester bebrütet werden, ist es – zumeist aus Zeitgründen – zu spät, wenn die E-Schnittmaschine durchgezogen und Nester freigelegt, ja sogar Jungvögel darin verletzt bis geköpft werden. Theorie? Leider nein. Ich habe Zeugen zu im eigneen Nahbereich.








Dieses Foto wurde am 06.8.2016 gemacht. Der Heckenschnitt erfolgte - nach Angabe der Gartenbaufirma - am 27.07.2016 und damit während der Verbotszeit unter damit Bedingung eines Ausnahmegrundes. Angeblich war am Schnitt-Tag kein Nest vorhanden. Wie dieses Nest dann ganz oben durch wahrscheinlich - so die Eierfarbe vermuten lässt - eine Braunelle, nach dem Schnitt und bis Aufnahmetag plus Eierlegen, also innerhalb von 11 Tagen, das geschafft haben soll - schon mehr als merkwürdig.
Noch merkwürdiger: Wie - aus gegebenem Anlass - nachgesehen habe, ist das Nest verschwunden. Seit wann auch immer - aber warum?

Dass an dieser Stelle seit Jahren "in den Busch" geflogen wurde, habe ich oft beobachten können. Das lässt darauf schließen, dass dort vor dem Schnitt ein Nest gewesen ist. Und der Schnitt muss schon da so tief in die "Substanz" erfolgt sein, dass das Geäst bis heute "alt und knorrig" aussieht - und nicht nach vorjährig frischem Austrieb.

Eine andere „Untugend“, nicht nur Kahlschlag bis Rodung außerhalb der Schonzeit vorzunehmen, wenn Baum- und Buschwerk einschließlich des Wurzelwerks bis in die Schonzeit liegen bleiben und die Gefahr besteht, dass Vögel oder auch anderes Getier Ersatz darin suchen, (z.B. Rotkehlchen und Zaunkönig), also Nester bauen und mit der Brut beginnen. So gerade im Bereich der Baltic-Schule, wie folgendes Foto zeigt.




Hier wurde eine Vielzahl von Bäumen gefällt, zerschnitten und abtransportiert. Ende Feb./ Anfang März wurden hier zudem gerodet. Das Wurzelwerk liegt seitdem, also fast 10 Tage, dort schon herum. Sicher interessant für Vögel, darin Nester zu bauen - vor allem, wenn sie durch den Kahlschlag ihren gewohnten Nistbereich verloren haben.
Das zuvor gesammelte hohe Buschwerk hat zwar auch tagelang herum gelegen, ist aber zwischenzeitlich abtransportiert worden.


Zu einem früheren und ähnlichen Kahlschlag im Nahbereich hieß es „...wächst innerhalb von zwei, drei Jahren nach. Ich kann nur feststellen, dass zwar Buschwerk – dabei spärlich - nachgewachsen ist – nur die die zuvor „größeren“ Büsche nicht. Und die hatten nicht nur wirklichen Lebenraum einschl. Schutz geboten, Jetzt fehlt die zuvor reichliche herbstliche Nahrung wie Früchte, Beeren, um überwintern zu können.




Vor ein paar Jahren konnte ich diesen Nahrungsreigen auf kleinster Fläche im Nahbereich sammeln. Das Buschwerk wurde redikal zurück geschnitten. Nachgewachsen ist bis auf ein paar "Stängel" praktisch nichts. Da gibt es nichts mehr zu ernsten und bildet auch keinen Vorrat für den Winter mehr.

So sieht ein zuvor ergiebiger Bereich nach hartem Schnitt heute aus:



Da ist für vor allem die Vogelwelt nichts mehr zu holen.


Wenn der Boden auch noch "gefegt" wird, etwa im Herbst, fehlt die wichtige Krautschicht, in Insekten die Haufen aus Ästen und Laub als Schutzräume zum Überwintern nutzen können. Damit fehlen dann, wenn Beeren und Früchte "verbraucht" sind, nicht nur die sonst herabgefallenen Samen, aber ebenso Raupen und Puppen. Spätestens dann wandern Singvögel vor allem Zaunkönig und Rotkehlchen endgültig ab, wenn diese überhaupt bis dahin den Winter überstanden haben. Ideal also, wenn immer etwa 1,50 m "Krautschicht" vorhanden sind.

In diesem Winter übrigens sind derart wenige Vögel bzw. einige Arten gar nicht zu beobachten gewesen. Das kann nicht nur daran liegen, dass die sonst hier überwinternden Gäste aus ferneren Gefilden des Ostens es für ausreichend gehalten haben, nur bis Mecklenburg-Vorpommern Quartier zu suchen. Oder waren hier und sind wegen unzureichender Verhältnisse „schnell wieder weg..."

Fazit: Wenn zwar "Fachkompetenz" verantwortlicher Bereiche vorhanden sein mag, zeigt sich eine ignorante Interessenlosigkeit, die mit "Personalmangel oder auch knapper Gelder" nicht entschuldigt werden kann. Kahlschlag bis "nicht schonendem" Rückschnitt vor allem bedeuten im Grunde einen Mangel an rechtzeitiger Pflege. Die Frage ist also, was "danach" kommt. Grün gestrichener Beton?

"Spaß?" beiseite - stattdessen Tipps für Nachpflanzung: Besonders geeignete Bäume und Sträucher für Vögel sind Feldahorn, Hainbuche, Mehlbeere, Salweide und Speierling. Auch Holzapfel, Schwarzer Holunder, Traubenholunder und Traubenkirsche bieten ausreichend Nahrung und Nistmöglichkeiten (Quelle: NABU).

Fotos © Reinhard Bartsch, Lübeck

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