Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Natur Umwelt Klima Energie

Wassertemperaturen gestiegen - Hering satt bis in die Stadt

11. April 2009 (HL-red.) Der Hering ist da! Die ganz ungeduldigen und vor allem sehr optimistischen Petrijünger versuchten es zwar schon seit einigen Tagen an den "frühen" Stellen wie dem Schlutuper Hafen und im Bereich der ehemaligen Herrenbrücke: Denn da besteht gewohnt erste Gelegenheit, die "Delikatesse" Hering zu fangen. Von dort wandert der Laichhering, und darauf soll noch eingegangen werden, sogar bis in die Stadtgewässer wie die Untertrave. Warum zumeist (oder nun auch schon?) ausschließlich bis zur Drehbrücke, ist nach wie vordas Geheimnis dieser Fische. Der Butt ist schon weiter "aufgestiegen", und es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, wann der Hering es diesen gleich tut.



Foto (RB): Petri-Heil an der Lübecker Untertrave

Entscheidend in diesen Tagen auf jeden Fall die Wassertemperatur: Werden die ersten Hering in der Pötenitzer Wiek und weiter die Trave herauf "gesichtet", wenden diese sich daraufhin Richtung Stadt. Allerdings sind es dann spätere Schwärme, die bis dahin die Untertrave als ihr Laichgebiet nutzen.

Hieß es in den Medien, 20 Heringe wäre ein toller Erfolg für den Angler in wenigen Stunden, hatte man da wohl an ungünstiger Stelle recherchiert. Höhe Schuppen 6 und 9 waren es da schon in kurzer Zeit um die Hundert! Wer auch immer damit umzugehen weiß, dem sei es gegönnt. Aber nicht alle Petri-Jünger vermeiden raschen "Gammel", wenn die Fische "weich" für ihr Laichgeschäft sowie nicht ausgenommen und nicht abgespült, in eigener Milch und Rogen - dazu in der Plastiktüte - noch an der Fangstelle zu verderben beginnen.

Dass der "Harung wirklich Erfahrung" hat, muss vor allem dann bezweifelt werden, wenn nicht nur der jugendliche Clùpea haréngus" als eigentlicher Plankton-Fresser den goldblitzenden, mit regenbogenfarben-schimmernden Fischhäutchen versehenen Haken widerstehen kann, die die Sportfischer mit Zweier-Paternoster, die an ihrem Ende mit zumeist rot/weiß-gefärbten Bleien beschwert sind, unermüdlich durch die Fluten ziehen. Auch über 20 Jahre "erfahrene" Schwarmkolleginnen und -kollegen der Familie und Gattung "Hering" fallen dem menschlichen Urtrieb Sammler/Jäger/Angler zum Opfer, bevor die vielen Tausend etwa an Grund, Dalben, Pfählen oder Kaimauern geklebten Eiern der Rogner von den Milchnern befruchtet werden konnten. Hier jedenfalls können sich die Fische in der Regel selbst entscheiden, ob sie beißen wollen oder nicht. Denn wie zumindest vor Jahren noch zum Beispiel vor der Schleuse im dänischen Hvide Sande wurden die armen Kreaturen mit großen Drillingshaken, die in die Schwärme geworfen werden, einfach aufgespießt - also gerissen und an Land gezogen.

Aber die Natur hat diesen Fisch in Massen zur bequemen Nahrung anderer erkoren und sorgt(e) immer wieder für gewaltigen Nachwuchs. Topleistung dabei: Nur sieben Tage Entwicklungszeit der befruchteten Eier bei einer Wassertemperatur von etwa 15 Grad. Wie dick die Wände etwa in Schlutup mitunter verklebt sind, riecht man vor allem, wenn sich die Heringe bei Hochwasser vergnügt haben, und bei Normalstand die Ei-Schichten in der Sonne zu stinken beginnen. Die Schwärme unterschiedlichsten Alters und damit auch Größe suchen die Trave normalerweise zum Hochzeitstanz auf, wenn das Wasser eine Temperatur von mindestens sechs bis sieben, besser acht Wärmegraden erreicht hat.

Hering "knapp", weil der Wasser-Ausstausch Nord-/Ostsee und damit der Salzgehalt davon abhängt und nicht mehr ausreicht, scheint unwahrscheinlich. Denn da stellt sich die Frage, warum der Hering überhaupt bevorzugt im Brackwasser laicht - der Lachs sogar im Süßwasser.
Oder bekommen gewisse "Leute" ihren Hals, pardon -ihr Netz nicht voll genug? Das erinnert an die dänische Nordsee, wo einmal der Kleinfisch so geräubert wurde, dass die Kutter fast kenterten. Zumeist für die nahen "Fischfabriken" zur Produktion von - Fischmehl!

Die EU aber hat nun Fangbeschränkungen angesagt: Diese gilt beispielsweise für die Ostsee. Die Trave ist nicht betroffen, wie zu hören war. Aber da scheint es diese Probleme bisher auch nicht zu geben. Hoffen wir, dass das nicht eines Tages auch da notwendig wird. Was die Angler betrifft: Die selbige EU hat auch schon eine "Fangmeldung" für die Dorschangler angedacht. Das wird wohl in ein gemeinsames Kontingent mit den "Profi-Fischern" münden. Hoffentlich wird dann solche Vorschrift auch in übrigen Sprachen als Deutsch abgefasst. Wenn es denn stimmt, kümmert "man" sich nicht überall um solche Auflagen...

Den Anglern im übrigen ein kräftiges "Petri Heil", den Gourmets guten Appetit. Und denjenigen, die bis heute nicht wissen - oder erstmals davon hören, dass für das Angeln auch in der Trave (nicht nur in Lübeck) Erlaubnisschein und Bundesfischereischein (von der Sportfischerprüfung gar nicht zu reden) Vorbedingungen sind, nicht nur eine Verwarnung: Angeln einziehen und Ordnungsgeld...!

Wenn der Verfasser übrigens einmal "gut gelaunt" ist, verrät er - neben Schneiden von Heringsfilets *) - Oma Wallys Rezept, nach dem der vorbereitete Hering unpaniert in heißem "Würz-Sud" zieht. Die später "schleimige" Panade muss also nicht unbedingt sein. Und die Gräten sind noch "unauffälliger. Aber - schau'n wir mal...

*)Vorab-Tipp:
Auch für Fisch gilt ein gewisses Reifen des "Fleisches". Nicht wundern, wenn sich der Hering selbigen Tages in der Pfanne dreht und zerfällt. Der Dorsch noch innerhalb 24 Stunden - der Butt (nur außerhalb der Ostsee heißt der Dorsch!) noch später. Bis zur Zubereitung, versteht sich - sorgfältig ausgenommen, gesäubert und gekühlt. Noch eines gerne: den Hering erst nach dem Braten/Räuchern salzen...



Impressum