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Wohlstandserkrankung? Immer mehr Erkrankungen der Speiseröhre

21. Februar 2009 (HL-Red.). HS-Kulturkorrespondenz - Ratgeber: Immer mehr Erkrankungen der Speiseröhre!
Von Hans-Joachim Lender und Horst Schinzel
In den westlichen Industrieländern wächst die Zahl der Menschen, die an entzündlichen Veränderungen der Speiseröhre und letztlich an daraus erwachsenden Karzinomen erkranken. Hintergrund sind offenbar die Verzehrgewohnheiten. Was als banales Sodbrennen infolge zu reichlichem oder zu fettem Essen oder übermäßigem Alkoholgenuss abgetan wird, führt auf die Dauer zu schlimmen Folgen. Die bestehen erst einmal darin, dass die glatte Schleimhaut der unteren Speiseröhre zerstört und durch eine Auskleidung mit Zylinderepithel ersetzt wird. Die Mediziner sprechen von „Barrett-Schleimhaut“. Dieser Umwandlungsprozess gilt heute als Hauptrisikofaktor für die Ausbildung von Tumoren, so die Leitende Oberärztin der Endoskopie der Medizinischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Düsseldorf Brigitte Schumacher auf dem 11. Internationalen Symposium „Diagnostische und Therapeutische Endoskopie“ Anfang Februar 2009.

Die Frühstufen solcher Tumore sind schwer zu erkennen. Sie bilden nur ausnahmsweise Metastasen. Behandelt werden solche Erkrankungen dank der Fortschritte der Endoskopie heute lokal und organerhaltend. Das verbessert die Lebensqualität des Patienten. Das Problem des Arztes ist es, dass die erkrankten Partien der Speiseöhre vollständig abgetragen und die Tiefe der Durchdringung mit dem Tumor zutreffend erkannt wird.

Die Technik hierfür ist in Japan entwickelt worden. Dabei wird eine transparente Kappe mit vorgefertigter Nut für eine Schlinge auf das Ende eines Endoskops gesetzt. In die veränderten Schichten wird eine Kochsalzlösung injiziert. Die veränderten Schleimhautpartien können dann mit der Kappe angesogen werden. Die vorgeladene Schlinge wird über den Schleimhautteilen geschlossen und diese werden mittels Strom abgetragen. Über die Kappe werden sie entfernt. Das Problem ist, dass die veränderten Schleimhautteile nicht größer als zwei Quadratzentimeter sein dürfen. Anderenfalls muss die Entfernung in mehreren Abschnitten erfolgen. Das gilt als eine der Hauptursachen dafür, dass sich neue Karzinome bilden.

Deshalb wurden neue Techniken entwickelt. Dabei werden Glukose oder andere Lösungen injiziert und der gesamte befallene Teil der Speiseröhre wird endoskopisch entfernt. Insgesamt ist das Verfahren durchaus erfolgreich, aber es bleibt das Risiko der Neubildung von Tumoren. Auch in der Barrett-Schleimhaut kommt es in der Folge häufig zu bösartigen Veränderungen. Deshalb streben die Ärzte an, den gesamten veränderten Teil der Speiseröhre zu entfernen. Dazu gibt es neuartige technische Verfahren unter anderem das der Radiofrequenzablation. Erprobt worden sind die allerdings erst an sehr wenigen Patienten.
Grundsätzlich müssen an bösartigen Veränderungen der Speiseröhre erkrankte Patienten einer langen – bis zu drei Jahre -Nachsorge unterzogen werden. Die Verfahren dafür sind bisher aufwändig. Deshalb setzen die Ärzte auf die Entwicklung der Technik.

Quelle/© Horst Schinzel/HS-Kulturkorrespondenz
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